Sonntag, 17. Februar 2013
Über "Weichheit" im Wing Chun
Liebe Mitlesende,
nachdem ich jüngst wieder einmal in eine Diskussion über die Bedeutung von Weichheit im Wing Chun verstrickt worden bin, möchte ich Euch an meinen Ideen und Überzeugungen zu diesem Thema teilhaben lassen. Ich bin mir bewusst, dass es unterschiedliche Ansichten darüber gibt, und sicher dürfen diese Ansichten für die Vertreter anderer Linien innerhalb der großen Wing Chun - Familie auch ihre volle Gültigkeit und Berechtigung beanspruchen. Auch denke ich keinesfalls, dass ich mit meiner Auslegung, die sich im Rahmen der von mir erlernten Wing Chun - Linie bewegt, der Weisheit letzten Schluss für mich beanspruchen dürfte. Ich möchte lediglich meine Gedanken dazu präsentieren.
Die Weichheit im Wing Chun ist untrennbar mit den taoistischen Prinzipien verbunden. Letztendlich bedeutet Weichheit nichts anderes, als die Schwäche zur Stärke zu machen. Vergessen wir nicht: Wing Chun wurde von einer Frau entwickelt! Das bedeutet jetzt natürlich nicht, dass alle Wing Chun - Ausübenden Schwächlinge sein müssen.
Viel mehr sollte man bestrebt sein, Freude an der Harmonie zu empfinden und nicht mehr unbedingt "mit dem Kopf durch die Wand" zu wollen. Somit bedeutet "weich" im Wing Chun für mich keinesfalls "schwach". "Weich" heißt für mich flexibel, anpassungsfähig und geschmeidig zu sein. Als Gegensatz könnte man die Starrheit anführen, die mit den Attributen unbeugsam, tot und brüchig einhergeht.
Selbstverständlich sollte man sich nicht scheuen, die Muskeln einzusetzen, denn wie sonst könnte man wohl eine explosive Technik hervorrufen? In einer weichen Kampfkunst entspannt man zunächst daher alle Muskeln und setzt dann allmählich nach Bedarf immer weitere ein.
Um die Weichheit zu entwickeln empfehle ich speziell die Siu Nim Tao - Form sowie Chi Sao - Training.
Nun gibt es Stimmen, die berechtigterweise behaupten, dass sich ein Kampf - zumal für Anfänger - nicht allein durch Weichheit gewinnen lässt. Jedoch ist die Weichheit mit eine der Voraussetzungen, wenn man einen Kampf nach den Wing Chun - Prinzipien bestreiten möchte. Und dennoch wird die Praxis, die Schüler von Beginn an auf Weichheit zu trimmen, von manchen Wing Chun - Vertretern kritisiert. Diese Leute behaupten nämlich, dass der Schüler dadurch im Grunde um den Entwicklungsschritt der enorm wichtigen Struktur beraubt wird , indem man ihn ständig an die Weichheit gemahnt, ohne darauf hinzuweisen das ein Angriff auch mal recht hart und kraftvoll sein kann. Da wird wie folgt argumentiert: "Der Starke ist in erster Linie erfolgreich, was seine Selbstverteidigung angeht und quält sich nicht jahrelang mit 'Weichwerden' ab. Weich kann es ja immer noch werden. Dieser Prozess vom 'Harten zum Weichen' ist enorm wichtig für die Entwicklung des Schülers und darf unter keinen Umständen vorenthalten werden. Wenn ich nicht weiß was 'hart' ist, wie soll ich für mich einschätzen lernen, was mit 'weich' gemeint sein soll."
Auch wird von der selben Seite dann gerne darauf hingewiesen, dass es selbst im WT Stilrichtungen gibt, welche in ihrer "Härte" dem Karate in nichts nachstehen. So hätten die meisten hohen Meister nämlich vom Harten zum Weichen diese Entwicklung selbst beschritten - wer es nicht glaubt, sehe sich alte Bilder in Büchern oder Zeitschriften der üblichen Verdächtigen einfach mal genauer an.
Zu diesen Behauptungen möchte ich nun wie folgt Stellung nehmen:
Da ja das WT hier aufgeführt wurde, so darf doch nicht vergessen werden, dass Keith R. Kernspecht, der des öfteren auch schon als "Vater des WT in Europa" bezeichnet worden ist, auf eine lange Zeit in der Krafttrainingsszene zurückblicken kann und selbst den Weg von "harten" Stilen zum "weichen" WT beschreiten musste. Nach seiner eigenen Aussage tat er sich dabei längere Zeit nicht gerade leicht.
Ich selbst bin über harte Stile zum weicheren Wing Chun gekommen und hatte anfänglich auch Startprobleme, die sich erst im Rahmen von Privatunterricht beheben ließen.
Die Erkenntnis, dass ein Mehr an Kraft letztendlich den Ausschlag in einem Kampf geben kann, hatte ja bereits Eberhard Schneider in seinem Buch "Krafttraining für Kung Fu und Karate" dargelegt.
Nicht umsonst wird das Wing Chun - Training ja auch durch spezifische Kraftübungen belebt, die Arbeit mit dem Langstab sei hier nur als ein Beispiel genannt.
Dennoch ist nichts falsch daran, die Schüler von der ersten Stunde an auf Weichheit zu trimmen. Und dieses Konzept besagt ja noch lange nicht, dass ein Angriff (der ja bekanntlich auch die beste Verteidigung ist) nicht trotzdem auch explosiv und daher kraftvoll vorgetragen werden kann. Es mag ja sein, dass der Starke (im Sinne von physischer Überlegenheit durch Körpergewicht und Muskelmasse) mit seiner auf Härte und brachialer Gewalt, wo meist Kraft gegen Kraft gesetzt wird, so dass der Kräftigere letztendlich Sieger bleiben wird, basierenden Selbstverteidigung erfolgreich ist. Nur hat das dann mit den Wing Chun - Prinzipien nur noch herzlich wenig zu tun. Und ich denke eben nicht, dass dieser Typus Kämpfer noch eines Tages wirkliche Weichheit erlangen wird.
Wie der weiter oben bereits genannte "Vater des WT in Europa" einmal recht treffend anmerkte: "Wer in der Jugend hart beginnt, wird im Alter nicht weich, sondern höchstens schwach und brüchig".
Mir ist auch keine Wing Chun - Stilrichtung bekannt, die in ihrer Härte dem Karate ähneln würde. Und wie wir sicher alle wissen, gibt es auch im Karate innerhalb der einzelnen Stilrichtungen noch Unterschiede und Abstufungen in punkto Härte bzw. relative "Weichheit".
Ich denke daher, wenn man schon die Chance hat, einem Schüler, der nicht zuvor durch härtere Stile für die Weichheit "verdorben" worden ist, gleich von Beginn an die Weichheit zu vermitteln, dann wäre es ein Fehler, diese Chance nicht zu nutzen. Denn als Sifu darf man in erster Linie nur eines im Auge haben: das Wohl und den Fortschritt seiner Schüler.
Letztendlich muss man in diesem Zusammenhang das Wissen um das Zusammenwirken der Kräfte Yau und Gong hinzuziehen. "Yau" entspricht dabei der Federkraft - sie ist passiv, weich, elastisch, federnd und flexibel.
"Gong" hingegen ist die primitive, brutale Kraft, die bei obigem Beispiel dann durch die brachiale Selbstverteidigung des "Starken" symbolisiert werden würde. Die im Wing Chun angewandte Kraft ist Yau.
Das bedeutet nicht, wie manche Kampfsysteme irrtümlich glauben, dass es sich um eine schwache Kraft handeln muss. Denken wir doch z. B. einmal an die Feder in einem Auto. Auch innerhalb der Yau-Kraft kann man differenzieren zwischen einer großen und einer kleinen Kraft, ebenso wie es große und kleine Federn gibt. Es gibt starke und schwache Yau-Kräfte; wie es starke und schwache Federn gibt.
Daher ist der Unterschied zwischen Yau und Gong nicht quantitativ, sondern qualitativ zu bewerten.
Ich habe als Illustration zu dem heutigen Beitrag frische grüne Weidenruten gewählt.
Ganz bewusst habe ich mich gegen die Darstellung von Bambus oder Rattan, die sonst so gerne in ähnlichem Zusammenhang in der Kampfkunstwelt aufgeführt werden, entschieden. Denn die Weidenrute ist einerseits extrem "weich" und biegsam, kann aber auch aufgrund ihrer Elastizität in einer federnden Schnellbewegung eine erstaunliche Kraft entfalten. Jeder, der schon einmal einen Hieb mit einer solchen Rute erhalten hat, wird nachvollziehen können, was ich hiermit verdeutlichen will.
Außerdem gilt die Weide in China als Symbol für den Frühling, und Wing Chun bedeutet nun einmal so viel wie "immerwährender Frühling"...
In der Hoffnung, dass der Frühling auch meteorologisch bald hierzulande Einzug halten möge, verbleibe ich wieder
Euer Sifu Kai
Sonntag, 10. Februar 2013
Das Jahr der Schlange hat begonnen...
Liebe Leserinnen und Leser,
das chinesische Jahr der Schlange hat begonnen. Die Chinesen sagen den Menschen, die im Jahr der Schlange geboren wurden, einige interessante Eigenschaften nach: gutes Aussehen, Charme, Intelligenz, Entschlussfreudigkeit und eine scharfe Beobachtungsgabe. Wenn die Charaktere eher zu der dunklen Seite tendieren, dann können sich zu den vorher genannten positiven Eigenschaften auch noch Aggressivität und Tyrannei hinzugesellen.
Ein lateinisches Sprichwort belegt die Schlange mit folgenden mahnenden Worten: Nemo me impune lacessit.
Das ließe sich in etwa wie folgt übertragen: Niemand tritt mir zu nahe (beleidigt mich), ohne verletzt zu werden. Diese Erkenntnis kann man auch trefflich auf die anzustrebende charakterliche Eigenart eines Wing Chun - Kämpfers anwenden, die sich in den Worten zusammenfassen lässt: Ich kümmere mich um meine eigenen Angelegenheiten, aber wenn du Ärger suchst, dann werde ich dir eine Welt voller Schmerzen verschaffen.
Ich wünsche allen Mitlesenden ein frohes chinesisches Neujahr und möchte alle ermuntern, in diesem Jahr die besondere innere Einstellung der Schlange zu beherzigen und mitunter auch nach außen zu tragen.
Euer Sifu Kai
Freitag, 1. Februar 2013
Die gute Idee für den Monat Februar
Liebe Mitlesenden,
"das mache ich doch mit links" - so besagt eine Redewendung.
Daran anknüpfend, möchte ich für diesen Monat den Vorschlag unterbreiten, mehr Tätigkeiten mit der "schwacheren" Hand auszuüben. Da der phänotypische Anteil der Linkshänder in der Bevölkerung mit 10 bis 15 Prozent angegeben wird, gehe ich in meinen Ausführungen jetzt von der rechten Hand als der stärkeren aus. Für alle Linkshänder gilt daher, dass sie einfach nur die Überlegungen für ihre Voraussetzungen umzustellen brauchen.
Speziell in der Kampfkunst ist es notwendig und von unschätzbarem Vorteil, wenn man in der Lage ist, mit beiden Händen weitestgehend gleichwertig zu agieren. Diese Fertigkeit wird ja bereits im Formenlauf von Beginn an geschult und entwickelt. Wer sich mit dem weiten Feld des Waffentrainings beschäftigt (ob nun im mittelalterlichen europäischen Waffenkampf, in den FMA oder in anderen Kampfkünsten wie etwa im Kobudo oder im Mu Ki Do, um nur einige davon zu nennen), wird anfänglich noch die Schwierigkeiten spüren, die sich auf dem Wege zu einem Generalisten der Beidhändigkeit vor einem auftürmen. Die weniger gut ausgeprägte Koordination und Griff- wie Schlaghärte der "schwächeren" Hand wird sich in der ersten Phase des Lernens nicht verbergen lassen. Doch mit der Zeit wird man auch mit der ansonsten eher vernachlässigten Hand geschickter und sicherer, bis endlich der Unterschied zwischen den beiden Händen auf ein Minimum reduziert sein wird. Natürlich bleibt das Idealziel einer völligen Gleichwertigkeit beider Extremitäten immer anzustreben.
Im Wing Chun entwickelt die Bart Cham Dao - Form, die den weit fortgeschrittenen Ausübenden, der zu diesem Zeitpunkt meist bereits selbst eine Lehrtätigkeit aufgenommen haben wird, an die Handhabung der Doppelmesser (auch manchmal als "Schmetterlingsmesser" bezeichnet, wobei man in diesem Falle keiner Verwechslung mit dem philippinischen Balisong, das in der Umgangssprache als "Butterflymesser" bekannt geworden und durch Jugendgruppengewalt leider in Verruf geraten ist, unterliegen darf) heranführt und quasi die "höchste Weihe" in diesem Kampfkunstsystem darstellt, bestens die Verwendung beider Hände für diverse Aktionen, die in Kombination mit Schrittmustern und Körperwendungen dem aktiven Wing Chunler noch einmal einen besonderen Feinschliff verpasst und zu völlig neuen Erkenntnissen in dieser Kampfkunst führen kann.
Ich möchte meine Leser nun heute dazu ermuntern, auch im Alltag und daher außerhalb ihres eigentlichen Kampfkunsttrainings die "schwächere" Hand zu schulen, indem ganz bewusst mehr Tätigkeiten mit eben dieser Hand ausgeführt werden sollen. Zu diesem Zwecke werden sich für jeden ganz individuelle und nahezu unbegrenzte Möglichkeiten finden lassen, die nicht nur zu einer veränderten Wahrnehmung und Weltsicht, sondern auch zu einer größeren Flexibilität und Vielseitigkeit führen können. Von einer besseren Verknüpfung der linken mit der rechten Gehirnhälfte und anderen neuro-wissenschaftlichen Erwägungen möchte ich an dieser Stelle schweigen.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern viel Spaß bei der Erprobung der Fähigkeiten der "schwächeren" Hand und verbleibe wieder bis zum nächsten Beitrag
Euer Sifu Kai
"das mache ich doch mit links" - so besagt eine Redewendung.
Daran anknüpfend, möchte ich für diesen Monat den Vorschlag unterbreiten, mehr Tätigkeiten mit der "schwacheren" Hand auszuüben. Da der phänotypische Anteil der Linkshänder in der Bevölkerung mit 10 bis 15 Prozent angegeben wird, gehe ich in meinen Ausführungen jetzt von der rechten Hand als der stärkeren aus. Für alle Linkshänder gilt daher, dass sie einfach nur die Überlegungen für ihre Voraussetzungen umzustellen brauchen.
Speziell in der Kampfkunst ist es notwendig und von unschätzbarem Vorteil, wenn man in der Lage ist, mit beiden Händen weitestgehend gleichwertig zu agieren. Diese Fertigkeit wird ja bereits im Formenlauf von Beginn an geschult und entwickelt. Wer sich mit dem weiten Feld des Waffentrainings beschäftigt (ob nun im mittelalterlichen europäischen Waffenkampf, in den FMA oder in anderen Kampfkünsten wie etwa im Kobudo oder im Mu Ki Do, um nur einige davon zu nennen), wird anfänglich noch die Schwierigkeiten spüren, die sich auf dem Wege zu einem Generalisten der Beidhändigkeit vor einem auftürmen. Die weniger gut ausgeprägte Koordination und Griff- wie Schlaghärte der "schwächeren" Hand wird sich in der ersten Phase des Lernens nicht verbergen lassen. Doch mit der Zeit wird man auch mit der ansonsten eher vernachlässigten Hand geschickter und sicherer, bis endlich der Unterschied zwischen den beiden Händen auf ein Minimum reduziert sein wird. Natürlich bleibt das Idealziel einer völligen Gleichwertigkeit beider Extremitäten immer anzustreben.
Im Wing Chun entwickelt die Bart Cham Dao - Form, die den weit fortgeschrittenen Ausübenden, der zu diesem Zeitpunkt meist bereits selbst eine Lehrtätigkeit aufgenommen haben wird, an die Handhabung der Doppelmesser (auch manchmal als "Schmetterlingsmesser" bezeichnet, wobei man in diesem Falle keiner Verwechslung mit dem philippinischen Balisong, das in der Umgangssprache als "Butterflymesser" bekannt geworden und durch Jugendgruppengewalt leider in Verruf geraten ist, unterliegen darf) heranführt und quasi die "höchste Weihe" in diesem Kampfkunstsystem darstellt, bestens die Verwendung beider Hände für diverse Aktionen, die in Kombination mit Schrittmustern und Körperwendungen dem aktiven Wing Chunler noch einmal einen besonderen Feinschliff verpasst und zu völlig neuen Erkenntnissen in dieser Kampfkunst führen kann.
Ich möchte meine Leser nun heute dazu ermuntern, auch im Alltag und daher außerhalb ihres eigentlichen Kampfkunsttrainings die "schwächere" Hand zu schulen, indem ganz bewusst mehr Tätigkeiten mit eben dieser Hand ausgeführt werden sollen. Zu diesem Zwecke werden sich für jeden ganz individuelle und nahezu unbegrenzte Möglichkeiten finden lassen, die nicht nur zu einer veränderten Wahrnehmung und Weltsicht, sondern auch zu einer größeren Flexibilität und Vielseitigkeit führen können. Von einer besseren Verknüpfung der linken mit der rechten Gehirnhälfte und anderen neuro-wissenschaftlichen Erwägungen möchte ich an dieser Stelle schweigen.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern viel Spaß bei der Erprobung der Fähigkeiten der "schwächeren" Hand und verbleibe wieder bis zum nächsten Beitrag
Euer Sifu Kai
Donnerstag, 17. Januar 2013
Über den Unterschied zwischen Trainer und Sifu
Liebe Mitlesende,
immer wieder einmal begegnet mir die Frage, worin denn eigentlich der Unterschied zwischen einem Trainer und einem Sifu liege. Auch kommt es immer mal wieder vor, dass hoffnungsvolle Schüler mit einer komplett falschen Vorstellung den Unterricht im Wing Chun antreten. Daher möchte ich heute den Unterschied zwischen einem Trainer und einem Sifu herausarbeiten.
Da ich selbst auch als (Diplom-)Trainer für WDS und Thai-Kick-Boxen tätig bin und obendrein als Chief-Instructor für das von mir ins Leben gerufene Everyday Life Combat / Reality Fighting fungiere, kann ich aus meinem eigenen Erlebnishorizont den Unterschied zu der Tätigkeit eines Sifu wohl recht gut beurteilen.
Denn die Herangehensweise an die Unterrichtsgestaltung und vor allem das Verhältnis zwischen Schüler und Lehrer ist beim von mir angebotenen Wing Chun und auch beim Tai Chi und Qi Gong eine völlig andere als bei den "verwestlichten" Kampfsport- und Selbstverteidigungssystemen.
Zuerst einmal muss man sich darüber klar werden, dass in der Welt des Wing Chun andere Gesetze herrschen als außerhalb dieser Kampfkunst. Nach der Tradition des chinesischen Kampfkunstunterrichtes wird die Tätigkeit eines Sifu keinesfalls als eine Dienstleistung angesehen, wie es in den moderneren Kampfsportarten der Fall ist. Der Sifu ist daher ganz sicher nicht der Diener seines Schülers, und die Leistung wird im Unterricht vom Schüler verlangt und nicht vom Lehrer.
Wem diese Vorstellung nicht behagt, der ist sicher besser beraten, eine verwestlichte Kampfsportart zu erlernen, wo der Lehrer eben kein Sifu , sondern ein Trainer ist. Denn zweifellos sind im Wing Chun Philosophie und Technik auf eine untrennbare Weise miteinander verbunden, so dass man als Schüler gewisse Regeln eben einfach akzeptieren und sich ihnen unterwerfen muss, wenn man es mit der völlig freien Entscheidung für einen Unterricht im Wing Chun auch wirklich ernst meint.
Beispielsweise wird im Wing Chun generell vor dem Unterricht bezahlt. Doch ist es dann nicht etwa der Lehrer, der sich für das erhaltene Geld zu bedanken hat, sondern der Schüler bedankt sich bei seinem Sifu, dass dieser das Geld annimmt und seine Einwilligung gibt, diesen Schüler zu unterrichten.
In der Regel liegen die Kosten für Unterricht im Wing Chun auch etwas höher als bei den anderen Kampfsportarten. Dennoch kann man sagen, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis im Wing Chun eine Schieflage aufweist: Der Lehrer gibt nämlich mehr, als der Schüler zu zahlen hat.
Gar nicht so selten kommt es vor, dass neue Schüler der irrigen Auffassung anhängen, sie hätten für ihr Stundenhonorar den Sifu gekauft. Dementsprechend fällt dann auch ihr Verhalten aus. Diese Schüler stellen sich dann in den Kwoon (die Trainingsstätte) und scheinen darauf zu warten, dass der von ihnen vermeintlich gecharterte Lehrer mit ihnen etwas anstellt. Dabei verkennen sie die Tatsache, dass sie diejenigen sind, die trainieren sollen. Die Aufgabe des Sifu besteht darin, seine Schüler zu beobachten, zu korrigieren und ihnen neuen Stoff zu geben, wenn der alte wirklich beherrscht wird.
Dabei darf man nicht vergessen, dass Wing Chun kein Schnellkursus ist, den man in wenigen Wochen absolvieren könnte. Letztendlich bleibt man im Wing Chun ständig ein Schüler, wird man sich als ein ewig Suchender verstehen müssen. Mit noch so viel Übungs- und Unterrichtspraxis wird es im Wing Chun doch immer möglich bleiben, persönlich neue Erkenntnisse zu erfahren beziehungsweise sich neue Bereiche zu erschließen. Mit dieser notwendigen Bereitschaft zu ständigem Lernen geht aber auch die Notwendigkeit einher, ständig ein Schüler bleiben zu müssen. So wird auch ein Sifu immer der Schüler seines Lehrers bleiben, ähnlich wie ein Vater auch immer der Sohn seines Vaters bleiben wird.
Aus der Notwendigkeit zu der Bereitschaft zu ständigem (Dazu-)Lernen erwächst aber auch die Erkenntnis, dass Kritik eben nicht schädlich oder bösartig ist, sondern vielmehr die Triebfeder zu der individuellen Fortentwicklung. Nicht umsonst besagt ein altes Sprichwort: "Wer mir schmeichelt, ist mein Dieb. Wer mich kritisiert, ist mein Lehrer". Dementsprechend ist Kritik auch nicht bloß das Recht eines Lehrers, sondern vielmehr seine Aufgabe und heilige Pflicht.
Wer all das begreift, der wird seinen Sifu auch nicht als seinen Feind ansehen, der durch seine Kritik eventuelle Träume von der eigenen Großartigkeit zu zerstören trachtet. Unterrichtet werden heißt ganz einfach kritisiert werden. Damit muss ein Schüler des Wing Chun umzugehen verstehen beziehungsweise muss er es lernen, sein Ego so weit hintanzustellen, dass er Kritik nicht mehr als persönlichen Angriff auffasst.
Wer um die Gefahr, die in diesem Zusammenhang aus einem übergroßen Ego erwachsen kann, weiß, kann sich auch aus ihr befreien. Der größte Feind des Schülers ist die Ungeduld und die Selbstüberschätzung.
Da wird von einem Sifu auch eine behutsame Vorgehensweise und ein "geschicktes Händchen" im Umgang mit Menschen verlangt, denn ganz sicher ist der Schüler auch nicht der Leibeigene seines Sifus.
Das Verhältnis zwischen Geben und Nehmen sollte immer möglichst ausgeglichen bleiben.
So wird im Unterricht auch in der Regel nicht der ermutigt, der seine Sache gut macht, sondern der, der unsicher ist und meint, seine Kräfte (die hier nicht im physischen Sinne verstanden werden sollen) reichten nicht aus. Daher wird einem unvermeidbaren und erstmaligen Fehler auch nicht mit Tadel begegnet.
Wie heißt es doch in den Aufzeichnungen von Konfuzius ( * 551 v. Chr. - 479 v. Chr. ) so treffend:
"Einen Fehler begehen und ihn nicht wieder gut machen ( im Sinne von: sich nicht ändern, Anm. d. Verf.), erst das heißt fehlen."
Um abschließend das besondere Verhältnis zwischen Schüler und Lehrer im Wing Chun charakterisieren und den Unterschied zwischen einem Trainer und einem Sifu begreiflich machen zu können, sei hier noch einmal Konfuzius das Wort erteilt, als er sich zu seinem Verhältnis zu den Schülern äußerte:
"Wem es nicht ernstlich darum zu tun ist, etwas zu lernen, dem erteile ich nicht meinen Unterricht, wer sich nicht wirklich bemüht, sich auszudrücken, dem helfe ich nicht nach. Habe ich eine Ecke gezeigt und er kann nicht von sich selber auf die anderen drei kommen, ist es bei mir vorbei mit dem Erklären."
Diese Worte dürften prägnant den Unterschied zwischen Trainer und Sifu skizzieren.
Keine Frage - ich übe beide Tätigkeiten mit der selben Gewissenhaftigkeit und Leidenschaft aus, denn das Wohl meiner Schüler liegt mir in allererster Linie am Herzen. Für welchen Weg sich die jeweiligen Schüler jedoch entscheiden, ob für den Weg der traditionellen Kampfkunst oder für die mitunter leichtere Kost des Kampfsports, das muss ganz den individuellen Vorstellungen und Bedürfnissen der Schüler vorbehalten bleiben. Nur müssen sie um die Unterschiede auch wissen, wenn sie eine den eigenen Interessen entsprechende Wahl treffen und eine gedeihliche Entwicklung beschreiten wollen.
Wenn ich mit meinem Blog hier und dem bescheidenen Wissen, das ich darin zu teilen bereit bin, einen Beitrag zu einer solchen Entscheidungshilfe leisten kann, dann sollen meine Worte nicht vergebens sein und ich dürfte mich dann glücklich schätzen.
Euer Sifu Kai
immer wieder einmal begegnet mir die Frage, worin denn eigentlich der Unterschied zwischen einem Trainer und einem Sifu liege. Auch kommt es immer mal wieder vor, dass hoffnungsvolle Schüler mit einer komplett falschen Vorstellung den Unterricht im Wing Chun antreten. Daher möchte ich heute den Unterschied zwischen einem Trainer und einem Sifu herausarbeiten.
Da ich selbst auch als (Diplom-)Trainer für WDS und Thai-Kick-Boxen tätig bin und obendrein als Chief-Instructor für das von mir ins Leben gerufene Everyday Life Combat / Reality Fighting fungiere, kann ich aus meinem eigenen Erlebnishorizont den Unterschied zu der Tätigkeit eines Sifu wohl recht gut beurteilen.
Denn die Herangehensweise an die Unterrichtsgestaltung und vor allem das Verhältnis zwischen Schüler und Lehrer ist beim von mir angebotenen Wing Chun und auch beim Tai Chi und Qi Gong eine völlig andere als bei den "verwestlichten" Kampfsport- und Selbstverteidigungssystemen.
Zuerst einmal muss man sich darüber klar werden, dass in der Welt des Wing Chun andere Gesetze herrschen als außerhalb dieser Kampfkunst. Nach der Tradition des chinesischen Kampfkunstunterrichtes wird die Tätigkeit eines Sifu keinesfalls als eine Dienstleistung angesehen, wie es in den moderneren Kampfsportarten der Fall ist. Der Sifu ist daher ganz sicher nicht der Diener seines Schülers, und die Leistung wird im Unterricht vom Schüler verlangt und nicht vom Lehrer.
Wem diese Vorstellung nicht behagt, der ist sicher besser beraten, eine verwestlichte Kampfsportart zu erlernen, wo der Lehrer eben kein Sifu , sondern ein Trainer ist. Denn zweifellos sind im Wing Chun Philosophie und Technik auf eine untrennbare Weise miteinander verbunden, so dass man als Schüler gewisse Regeln eben einfach akzeptieren und sich ihnen unterwerfen muss, wenn man es mit der völlig freien Entscheidung für einen Unterricht im Wing Chun auch wirklich ernst meint.
Beispielsweise wird im Wing Chun generell vor dem Unterricht bezahlt. Doch ist es dann nicht etwa der Lehrer, der sich für das erhaltene Geld zu bedanken hat, sondern der Schüler bedankt sich bei seinem Sifu, dass dieser das Geld annimmt und seine Einwilligung gibt, diesen Schüler zu unterrichten.
In der Regel liegen die Kosten für Unterricht im Wing Chun auch etwas höher als bei den anderen Kampfsportarten. Dennoch kann man sagen, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis im Wing Chun eine Schieflage aufweist: Der Lehrer gibt nämlich mehr, als der Schüler zu zahlen hat.
Gar nicht so selten kommt es vor, dass neue Schüler der irrigen Auffassung anhängen, sie hätten für ihr Stundenhonorar den Sifu gekauft. Dementsprechend fällt dann auch ihr Verhalten aus. Diese Schüler stellen sich dann in den Kwoon (die Trainingsstätte) und scheinen darauf zu warten, dass der von ihnen vermeintlich gecharterte Lehrer mit ihnen etwas anstellt. Dabei verkennen sie die Tatsache, dass sie diejenigen sind, die trainieren sollen. Die Aufgabe des Sifu besteht darin, seine Schüler zu beobachten, zu korrigieren und ihnen neuen Stoff zu geben, wenn der alte wirklich beherrscht wird.
Dabei darf man nicht vergessen, dass Wing Chun kein Schnellkursus ist, den man in wenigen Wochen absolvieren könnte. Letztendlich bleibt man im Wing Chun ständig ein Schüler, wird man sich als ein ewig Suchender verstehen müssen. Mit noch so viel Übungs- und Unterrichtspraxis wird es im Wing Chun doch immer möglich bleiben, persönlich neue Erkenntnisse zu erfahren beziehungsweise sich neue Bereiche zu erschließen. Mit dieser notwendigen Bereitschaft zu ständigem Lernen geht aber auch die Notwendigkeit einher, ständig ein Schüler bleiben zu müssen. So wird auch ein Sifu immer der Schüler seines Lehrers bleiben, ähnlich wie ein Vater auch immer der Sohn seines Vaters bleiben wird.
Aus der Notwendigkeit zu der Bereitschaft zu ständigem (Dazu-)Lernen erwächst aber auch die Erkenntnis, dass Kritik eben nicht schädlich oder bösartig ist, sondern vielmehr die Triebfeder zu der individuellen Fortentwicklung. Nicht umsonst besagt ein altes Sprichwort: "Wer mir schmeichelt, ist mein Dieb. Wer mich kritisiert, ist mein Lehrer". Dementsprechend ist Kritik auch nicht bloß das Recht eines Lehrers, sondern vielmehr seine Aufgabe und heilige Pflicht.
Wer all das begreift, der wird seinen Sifu auch nicht als seinen Feind ansehen, der durch seine Kritik eventuelle Träume von der eigenen Großartigkeit zu zerstören trachtet. Unterrichtet werden heißt ganz einfach kritisiert werden. Damit muss ein Schüler des Wing Chun umzugehen verstehen beziehungsweise muss er es lernen, sein Ego so weit hintanzustellen, dass er Kritik nicht mehr als persönlichen Angriff auffasst.
Wer um die Gefahr, die in diesem Zusammenhang aus einem übergroßen Ego erwachsen kann, weiß, kann sich auch aus ihr befreien. Der größte Feind des Schülers ist die Ungeduld und die Selbstüberschätzung.
Da wird von einem Sifu auch eine behutsame Vorgehensweise und ein "geschicktes Händchen" im Umgang mit Menschen verlangt, denn ganz sicher ist der Schüler auch nicht der Leibeigene seines Sifus.
Das Verhältnis zwischen Geben und Nehmen sollte immer möglichst ausgeglichen bleiben.
So wird im Unterricht auch in der Regel nicht der ermutigt, der seine Sache gut macht, sondern der, der unsicher ist und meint, seine Kräfte (die hier nicht im physischen Sinne verstanden werden sollen) reichten nicht aus. Daher wird einem unvermeidbaren und erstmaligen Fehler auch nicht mit Tadel begegnet.
Wie heißt es doch in den Aufzeichnungen von Konfuzius ( * 551 v. Chr. - 479 v. Chr. ) so treffend:
"Einen Fehler begehen und ihn nicht wieder gut machen ( im Sinne von: sich nicht ändern, Anm. d. Verf.), erst das heißt fehlen."
Um abschließend das besondere Verhältnis zwischen Schüler und Lehrer im Wing Chun charakterisieren und den Unterschied zwischen einem Trainer und einem Sifu begreiflich machen zu können, sei hier noch einmal Konfuzius das Wort erteilt, als er sich zu seinem Verhältnis zu den Schülern äußerte:
"Wem es nicht ernstlich darum zu tun ist, etwas zu lernen, dem erteile ich nicht meinen Unterricht, wer sich nicht wirklich bemüht, sich auszudrücken, dem helfe ich nicht nach. Habe ich eine Ecke gezeigt und er kann nicht von sich selber auf die anderen drei kommen, ist es bei mir vorbei mit dem Erklären."
Diese Worte dürften prägnant den Unterschied zwischen Trainer und Sifu skizzieren.
Keine Frage - ich übe beide Tätigkeiten mit der selben Gewissenhaftigkeit und Leidenschaft aus, denn das Wohl meiner Schüler liegt mir in allererster Linie am Herzen. Für welchen Weg sich die jeweiligen Schüler jedoch entscheiden, ob für den Weg der traditionellen Kampfkunst oder für die mitunter leichtere Kost des Kampfsports, das muss ganz den individuellen Vorstellungen und Bedürfnissen der Schüler vorbehalten bleiben. Nur müssen sie um die Unterschiede auch wissen, wenn sie eine den eigenen Interessen entsprechende Wahl treffen und eine gedeihliche Entwicklung beschreiten wollen.
Wenn ich mit meinem Blog hier und dem bescheidenen Wissen, das ich darin zu teilen bereit bin, einen Beitrag zu einer solchen Entscheidungshilfe leisten kann, dann sollen meine Worte nicht vergebens sein und ich dürfte mich dann glücklich schätzen.
Euer Sifu Kai
Donnerstag, 3. Januar 2013
Die gute Idee für den Monat Januar
Mit dem Januar ist auch ein neues Jahr angebrochen, und somit wünsche ich allen meinen Leserinnen und Lesern ein gesundes und harmonisches Jahr 2013.
Das chinesische Neujahrsfest wird hingegen heuer erst am 10. Februar begangen, daher befinden wir uns nach dem chinesischen Kalender noch im Jahr des Wasser-Drachen.
Zum Jahreswechsel beladen sich ja viele Menschen mit "guten Vorsätzen" für das neue Jahr, und nur zu oft werden diese Vorsätze dann recht schnell wieder aufgegeben. Das muss nicht unbedingt an einer Willensschwäche der betreffenden Personen liegen, sondern viel mehr daran, dass man sich einfach zu viele Vorsätze aufgebürdet hat oder dass das Vorhaben einfach zu hoch gegriffen ausgefallen ist.
Auch in dieser Hinsicht gilt der alte Grundsatz: Weniger ist mehr.
Daher möchte ich heute die Empfehlung formulieren, dass ein wirklich sinnvoller Vorsatz für das neue Jahr darin bestehen könnte, sich mehr bewegen zu wollen.
Schon eine halbe Stunde Bewegung täglich dürfte die Lebensqualität steigern und den tückischen westlichen Wohlstandskrankheiten vorbeugen. Besonders wertvoll erscheint in diesem Zusammenhang die Bewegung an der frischen Luft. Nun ist gerade der Monat Januar ganz sicher in den hiesigen Breitengraden nicht gerade für ein einladendes Wetter bekannt, dennoch sollte man darauf bedacht sein, sich möglichst täglich für wenigstens eine halbe Stunde im Freien aufzuhalten und zu bewegen. Dass man dabei auf eine der Witterung entsprechende Kleidung achten muss, versteht sich eigentlich von selbst.
Ob man nun im Freien seine Formen läuft oder Qi Gong betreibt, ob man einfach nur etwas rascheren Schrittes einen Spaziergang unternimmt oder doch lieber gleich einen Dauerlauf hinlegt - der Anlass der Bewegung an der frischen Luft ist dabei weniger entscheidend als die Tatsache der Bewegung an sich.
Im Freien können wir mehr Licht tanken als in Räumlichkeiten, auch wenn die Luxzahl in den Wintermonaten natürlich nie mit der strahlenden Helligkeit der Sommermonate wird mithalten können. Zwar hat mit der Wintersonnenwende die Sonne bereits wieder ihren Siegeslauf begonnen, jedoch wird es noch einige Wochen dauern, bis wir die Auswirkungen des steigenden Sonnenstandes auch wirklich merklich werden genießen können.
Daher mein Tip für diesen Monat: Geht hinaus an die frische Luft und trachtet nach Bewegung!
Nur so lässt sich die Gesundheit in ihrer Gesamtheit fördern beziehungsweise erhalten, getreu dem Motto "Mens sana in corpore sano".
In diesem Sinne wünscht Euch einen aktiven und bewegungsreichen Monat Januar
Euer Sifu Kai
Das chinesische Neujahrsfest wird hingegen heuer erst am 10. Februar begangen, daher befinden wir uns nach dem chinesischen Kalender noch im Jahr des Wasser-Drachen.
Zum Jahreswechsel beladen sich ja viele Menschen mit "guten Vorsätzen" für das neue Jahr, und nur zu oft werden diese Vorsätze dann recht schnell wieder aufgegeben. Das muss nicht unbedingt an einer Willensschwäche der betreffenden Personen liegen, sondern viel mehr daran, dass man sich einfach zu viele Vorsätze aufgebürdet hat oder dass das Vorhaben einfach zu hoch gegriffen ausgefallen ist.
Auch in dieser Hinsicht gilt der alte Grundsatz: Weniger ist mehr.
Daher möchte ich heute die Empfehlung formulieren, dass ein wirklich sinnvoller Vorsatz für das neue Jahr darin bestehen könnte, sich mehr bewegen zu wollen.
Schon eine halbe Stunde Bewegung täglich dürfte die Lebensqualität steigern und den tückischen westlichen Wohlstandskrankheiten vorbeugen. Besonders wertvoll erscheint in diesem Zusammenhang die Bewegung an der frischen Luft. Nun ist gerade der Monat Januar ganz sicher in den hiesigen Breitengraden nicht gerade für ein einladendes Wetter bekannt, dennoch sollte man darauf bedacht sein, sich möglichst täglich für wenigstens eine halbe Stunde im Freien aufzuhalten und zu bewegen. Dass man dabei auf eine der Witterung entsprechende Kleidung achten muss, versteht sich eigentlich von selbst.
Ob man nun im Freien seine Formen läuft oder Qi Gong betreibt, ob man einfach nur etwas rascheren Schrittes einen Spaziergang unternimmt oder doch lieber gleich einen Dauerlauf hinlegt - der Anlass der Bewegung an der frischen Luft ist dabei weniger entscheidend als die Tatsache der Bewegung an sich.
Im Freien können wir mehr Licht tanken als in Räumlichkeiten, auch wenn die Luxzahl in den Wintermonaten natürlich nie mit der strahlenden Helligkeit der Sommermonate wird mithalten können. Zwar hat mit der Wintersonnenwende die Sonne bereits wieder ihren Siegeslauf begonnen, jedoch wird es noch einige Wochen dauern, bis wir die Auswirkungen des steigenden Sonnenstandes auch wirklich merklich werden genießen können.
Daher mein Tip für diesen Monat: Geht hinaus an die frische Luft und trachtet nach Bewegung!
Nur so lässt sich die Gesundheit in ihrer Gesamtheit fördern beziehungsweise erhalten, getreu dem Motto "Mens sana in corpore sano".
In diesem Sinne wünscht Euch einen aktiven und bewegungsreichen Monat Januar
Euer Sifu Kai
Sonntag, 2. Dezember 2012
Zum 40. Todestag von Yip Man
Heute vor 40 Jahren erlag Yip Man seinem Krebsleiden.
Ich möchte daher einige Zeilen seinem Andenken widmen.
Yip Man wurde am 14. Oktober 1893 während der Ching Dynastie in Fut Shan und nach den chinesischen Tierkreiszeichen im Jahre der Schlange im Element Wasser geboren.
In seinen charakterlichen Eigenschaften erwies er sich als typischer Schlange-Mensch, denen nachgesagt wird, sie seien reich an Weisheit und Charme und romantische Menschen und tiefsinnige Denker, die sich stark von ihrer Intuition leiten lassen. Auch gelten Schlangen oftmals als eigenbrötlerisch, denn sie erledigen ihre Sachen zurückgezogen und für sich. Aus diesem Grund werden Schlangen häufig von ihren Mitmenschen gemieden - sie können einfach nicht mit ihrem Argwohn und mit ihrer Verschwiegenheit umgehen. Schlangenmenschen sind geschickte Arbeiter, die an einer Sache so lange herumtüfteln, bis sie ihren Vorstellungen entspricht. Schlangen legen großen Wert auf Äußerlichkeiten, dadurch fühlen sie sich oftmals stark zu attraktiven und eleganten Menschen hingezogen. Menschen mit dem Geburtsjahr der Schlange haben eine Art innerer Schönheit, die mit dem Alter immer mehr zum Vorschein kommt.
So sagt man auch über Yip Man, dass er wenig übrig hatte für die Eitelkeiten dieser Welt. An Ruhm und Reichtum lag ihm nichts. Auch fehlte ihm das rüde und menschenverachtende Auftreten, das so manche Kung-Fu-Leute pflegen. Wer den Vorzug hatte, Yip Man kennenzulernen, fühlte sich in seiner Gesellschaft sofort entspannt und wie zu Hause. Seine Herzlichkeit, Aufrichtigkeit und Gastfreundschaft wurden in allen Handlungen offenbar. Seine Unterhaltungen im Fatshan-Dialekt spiegelten sein sorgloses und freundliches Naturell. Man konnte ihn wahrscheinlich als Gentleman und Gelehrten bezeichnen.
Einer der berühmtesten Schüler Yip Mans war Bruce Lee, den er von 1955 - 1957 in Kowloon unterrichtete. Als Bruce Lee nach knapp drei Jahren seinen Unterricht bei Yip Man nicht mehr fortsetzen konnte, da er Hongkong verließ, um in den USA ein akademisches Studium zu beginnen, ließ sein Abschied von dem Großmeister noch nicht auf eine endgültige Trennung schließen, auch wenn es bereits Anzeichen für eine Missstimmung gab. So ermahnte Yip Man Bruce Lee vor dessen Abreise, dass Kung Fu zu den höchsten chinesischen Künsten zähle, dass Chinesen diese Techniken für sich behalten müssten, um sich zu verteidigen und die Gesundheit zu erhalten. Und dass deshalb die Techniken des chinesischen Kung-Fu Ausländern nicht ohne Vorbehalt gezeigt werden sollten. Bruce Lee versprach, sich daran zu halten. Aber sobald er in Amerika ankam, eröffnete er eine Kampfschule, nahm ausländische Schüler an und brachte ihnen Wing Chun-Techniken bei. Yip Man war darüber sehr erstaunt und enttäuscht.
Nachdem Bruce Lee im Sommer 1965 mit seinem Ansinnen, während eines Besuches bei Yip Man den letzten Teil der Holzpuppentechniken erlernen zu können, gescheitert war, obwohl er dem Großmeister eine hohe Summe Geldes (im Wert einer neuen Eigentumswohnung) geboten hatte, kehrte er enttäuscht nach Amerika zurück und unterrichtete fortan kein Wing Chun mehr, sondern begann, sein eigenes Kampfsystem zu entwickeln, das er später unter dem Namen "Jeet Kune Do" zusammenfasste und dessen Basis allerdings das Wing Chun bildete.
Yip Man hatte ihm seine Bitte abgeschlagen, weil Bruce Lee einen großen Fehler begangen hatte:
Dadurch, dass er zu viel von Geld sprach, verletzte er die Gefühle seines Lehrmeisters! Deshalb wies ihn Großmeister Yip Man mit den Worten ab: „Ich kann dir das nicht zusagen; denn du bist nicht mein einziger Schüler, und ich habe niemals irgendeinem Schüler solche Zusicherungen gemacht. Was sollte ich den anderen sagen, wenn ich dein Angebot annähme?“
Nach dieser Zurückweisung durch Yip Man wandte sich Bruce Lee an dessen älteren Sohn Yip Chung um Hilfe. Der aber soll ihm nach eigenen Angaben gesagt haben. „Es ist wahr, dass wir in Armut und Not leben, seit wir vor zehn Jahren nach Hongkong kamen. Wir haben nicht einmal ein Haus, um darin zu wohnen. Dein Angebot, uns eine Eigentumswohnung zu geben, würde unsere Not natürlich lindern. Aber es gibt noch Wichtigeres im Leben des Menschen als ein bequemes Leben und materielle Dinge, und mein Vater hat einen starken Willen und sein Urteil ist unabänderlich. Das wissen wir beide sehr gut. Wenn er dein Angebot ablehnte, kann ich ihn nicht umstimmen.“
Eine der letzten Maßnahmen, um Wing Chun zu fördern, bestand darin, dass Yip Man 1967 mit Hilfe seiner Schüler die „Hong Kong Ving Tsun Athletic Association“ gründete.
Zwei Jahre später, also 1969, schickte dieser Verband ein Team von Kämpfern zum „First South East Asia Kung Fu-Tournament“, das in Singapore veranstaltet wurde. Das Team schnitt nicht so erfolgreich ab, wie der Verband es erwartet hatte. Deshalb kehrte Yip Man zurück, eröffnete mehr Klassen und senkte auch die Unterrichtsgebühren. Vorher konnte aufgrund der hohen Schulgebühren nur die privilegierte Klasse Wing Chun lernen. Nun erfolgte ein reger Zustrom auch der unteren Klassen, wodurch der Bekanntheitsgrad des Wing Chun wuchs. Im Mai des Jahres 1970, als der Unterricht in allen Klassen zufriedenstellend lief, zog sich Yip Man endgültig vom öffentlichen Unterrichten zurück.
Danach fand man ihn üblicherweise morgens, nachmittags und sogar abends im Teehaus, wo er viel mit seinen Schülern scherzte und sich ganz und gar nicht wie ihr Meister aufführte. „Weshalb soll ich mich selbst so wichtig nehmen und mir auf meine Position etwas einbilden?“, lautete seine Philosophie. „Die anderen Leute sollen darüber entscheiden, ob ich etwas geleistet habe.“
1972 hatte das Schicksal den sorglosen alten Mann eingeholt. Er bot eine Bild von körperlichem Verfall und zunehmender Schwäche. Eine ärztliche Untersuchung ergab die Diagnose Kehlkopfkrebs. Dennoch bekämpfte er die Krankheit optimistisch und mit großer Willenskraft. Er ging weiterhin ins Teehaus und dinierte abends mit seinen Schülern. Niemals hörten seine Schüler ihn klagen, denn er wollte ihr Mitleid nicht und sah seinem Ende gefasst entgegen.
Eines Tages bei einem Krankenhausaufenthalt teilte ihm der Arzt, auch einer seiner Schüler, mit, dass sein Ende unmittelbar bevorstand. Aber Yip Man konnte den Tod noch ein letztes Mal abwehren und kehrte nach einer Woche gekräftigt nach Hause zurück.
Aber dieser Sieg war nur von kurzer Dauer. Am 2. Dezember 1972 starb Yip Man, der letzte Großmeister des gesamten Wing Chun-Stils, im Jahr der Ratte. Er hinterließ uns ein geniales Kampfsystem und viele faszinierende Anekdoten.
In den letzten Jahren wurde der Großmeister einem weiten Publikum, das sich nicht unbedingt nur aus Wing Chun - Enthusiasten zusammensetzt, durch die "Ip Man" - Filme bekannt, die einige Lebensstationen dieses herausragenden Kampfkünstlers nachzuzeichnen bestrebt sind, auch wenn in diesen Filmen der Gehalt an Dichtung und Fiktion den Anteil von Wahrheit freilich zugunsten dramaturgischer Kniffe deutlich übersteigt.
Dennoch muss man diesen Filmen zugute halten, dass darin einerseits wirklich Wing Chun - Techniken gezeigt werden und andererseits vor allem, dass Yip Man dadurch ein bleibendes filmisches Denkmal gesetzt worden ist.
Das größte und schönste Denkmal hat sich Yip Man jedoch schon längst selbst gesetzt:
Durch seine Überarbeitung des Wing Chun hat er das System so weit modernisiert, dass diese exzellente Kampfkunst auch heute noch zu Recht zu den effektivsten Kampf- und Selbstverteidigungssystemen auf der ganzen Welt zählen darf. So lebt der Geist Yip Mans in jedem Wing Chun - Ausübenden und in der Gesamtheit dieser Kampfkunst auch heute noch weiter. Eine schönere Form der Unsterblichkeit kann man sich wohl kaum wünschen.
In diesem Sinne verneigt sein Haupt voller Respekt und Demut und in tiefer Dankbarkeit für diesen großartigen Kampfkünstler
Euer Sifu Kai
P.s.: Ein Großteil der Informationen über Yip Man entstammt dem Buch "116 Wing Tsun Holzpuppen-Techniken", welches im Wushu-Verlag erschienen ist und inzwischen als Liebhaberausgabe gilt.
Ich möchte daher einige Zeilen seinem Andenken widmen.
Yip Man wurde am 14. Oktober 1893 während der Ching Dynastie in Fut Shan und nach den chinesischen Tierkreiszeichen im Jahre der Schlange im Element Wasser geboren.
In seinen charakterlichen Eigenschaften erwies er sich als typischer Schlange-Mensch, denen nachgesagt wird, sie seien reich an Weisheit und Charme und romantische Menschen und tiefsinnige Denker, die sich stark von ihrer Intuition leiten lassen. Auch gelten Schlangen oftmals als eigenbrötlerisch, denn sie erledigen ihre Sachen zurückgezogen und für sich. Aus diesem Grund werden Schlangen häufig von ihren Mitmenschen gemieden - sie können einfach nicht mit ihrem Argwohn und mit ihrer Verschwiegenheit umgehen. Schlangenmenschen sind geschickte Arbeiter, die an einer Sache so lange herumtüfteln, bis sie ihren Vorstellungen entspricht. Schlangen legen großen Wert auf Äußerlichkeiten, dadurch fühlen sie sich oftmals stark zu attraktiven und eleganten Menschen hingezogen. Menschen mit dem Geburtsjahr der Schlange haben eine Art innerer Schönheit, die mit dem Alter immer mehr zum Vorschein kommt.
So sagt man auch über Yip Man, dass er wenig übrig hatte für die Eitelkeiten dieser Welt. An Ruhm und Reichtum lag ihm nichts. Auch fehlte ihm das rüde und menschenverachtende Auftreten, das so manche Kung-Fu-Leute pflegen. Wer den Vorzug hatte, Yip Man kennenzulernen, fühlte sich in seiner Gesellschaft sofort entspannt und wie zu Hause. Seine Herzlichkeit, Aufrichtigkeit und Gastfreundschaft wurden in allen Handlungen offenbar. Seine Unterhaltungen im Fatshan-Dialekt spiegelten sein sorgloses und freundliches Naturell. Man konnte ihn wahrscheinlich als Gentleman und Gelehrten bezeichnen.
Einer der berühmtesten Schüler Yip Mans war Bruce Lee, den er von 1955 - 1957 in Kowloon unterrichtete. Als Bruce Lee nach knapp drei Jahren seinen Unterricht bei Yip Man nicht mehr fortsetzen konnte, da er Hongkong verließ, um in den USA ein akademisches Studium zu beginnen, ließ sein Abschied von dem Großmeister noch nicht auf eine endgültige Trennung schließen, auch wenn es bereits Anzeichen für eine Missstimmung gab. So ermahnte Yip Man Bruce Lee vor dessen Abreise, dass Kung Fu zu den höchsten chinesischen Künsten zähle, dass Chinesen diese Techniken für sich behalten müssten, um sich zu verteidigen und die Gesundheit zu erhalten. Und dass deshalb die Techniken des chinesischen Kung-Fu Ausländern nicht ohne Vorbehalt gezeigt werden sollten. Bruce Lee versprach, sich daran zu halten. Aber sobald er in Amerika ankam, eröffnete er eine Kampfschule, nahm ausländische Schüler an und brachte ihnen Wing Chun-Techniken bei. Yip Man war darüber sehr erstaunt und enttäuscht.
Nachdem Bruce Lee im Sommer 1965 mit seinem Ansinnen, während eines Besuches bei Yip Man den letzten Teil der Holzpuppentechniken erlernen zu können, gescheitert war, obwohl er dem Großmeister eine hohe Summe Geldes (im Wert einer neuen Eigentumswohnung) geboten hatte, kehrte er enttäuscht nach Amerika zurück und unterrichtete fortan kein Wing Chun mehr, sondern begann, sein eigenes Kampfsystem zu entwickeln, das er später unter dem Namen "Jeet Kune Do" zusammenfasste und dessen Basis allerdings das Wing Chun bildete.
Yip Man hatte ihm seine Bitte abgeschlagen, weil Bruce Lee einen großen Fehler begangen hatte:
Dadurch, dass er zu viel von Geld sprach, verletzte er die Gefühle seines Lehrmeisters! Deshalb wies ihn Großmeister Yip Man mit den Worten ab: „Ich kann dir das nicht zusagen; denn du bist nicht mein einziger Schüler, und ich habe niemals irgendeinem Schüler solche Zusicherungen gemacht. Was sollte ich den anderen sagen, wenn ich dein Angebot annähme?“
Nach dieser Zurückweisung durch Yip Man wandte sich Bruce Lee an dessen älteren Sohn Yip Chung um Hilfe. Der aber soll ihm nach eigenen Angaben gesagt haben. „Es ist wahr, dass wir in Armut und Not leben, seit wir vor zehn Jahren nach Hongkong kamen. Wir haben nicht einmal ein Haus, um darin zu wohnen. Dein Angebot, uns eine Eigentumswohnung zu geben, würde unsere Not natürlich lindern. Aber es gibt noch Wichtigeres im Leben des Menschen als ein bequemes Leben und materielle Dinge, und mein Vater hat einen starken Willen und sein Urteil ist unabänderlich. Das wissen wir beide sehr gut. Wenn er dein Angebot ablehnte, kann ich ihn nicht umstimmen.“
Eine der letzten Maßnahmen, um Wing Chun zu fördern, bestand darin, dass Yip Man 1967 mit Hilfe seiner Schüler die „Hong Kong Ving Tsun Athletic Association“ gründete.
Zwei Jahre später, also 1969, schickte dieser Verband ein Team von Kämpfern zum „First South East Asia Kung Fu-Tournament“, das in Singapore veranstaltet wurde. Das Team schnitt nicht so erfolgreich ab, wie der Verband es erwartet hatte. Deshalb kehrte Yip Man zurück, eröffnete mehr Klassen und senkte auch die Unterrichtsgebühren. Vorher konnte aufgrund der hohen Schulgebühren nur die privilegierte Klasse Wing Chun lernen. Nun erfolgte ein reger Zustrom auch der unteren Klassen, wodurch der Bekanntheitsgrad des Wing Chun wuchs. Im Mai des Jahres 1970, als der Unterricht in allen Klassen zufriedenstellend lief, zog sich Yip Man endgültig vom öffentlichen Unterrichten zurück.
Danach fand man ihn üblicherweise morgens, nachmittags und sogar abends im Teehaus, wo er viel mit seinen Schülern scherzte und sich ganz und gar nicht wie ihr Meister aufführte. „Weshalb soll ich mich selbst so wichtig nehmen und mir auf meine Position etwas einbilden?“, lautete seine Philosophie. „Die anderen Leute sollen darüber entscheiden, ob ich etwas geleistet habe.“
1972 hatte das Schicksal den sorglosen alten Mann eingeholt. Er bot eine Bild von körperlichem Verfall und zunehmender Schwäche. Eine ärztliche Untersuchung ergab die Diagnose Kehlkopfkrebs. Dennoch bekämpfte er die Krankheit optimistisch und mit großer Willenskraft. Er ging weiterhin ins Teehaus und dinierte abends mit seinen Schülern. Niemals hörten seine Schüler ihn klagen, denn er wollte ihr Mitleid nicht und sah seinem Ende gefasst entgegen.
Eines Tages bei einem Krankenhausaufenthalt teilte ihm der Arzt, auch einer seiner Schüler, mit, dass sein Ende unmittelbar bevorstand. Aber Yip Man konnte den Tod noch ein letztes Mal abwehren und kehrte nach einer Woche gekräftigt nach Hause zurück.
Aber dieser Sieg war nur von kurzer Dauer. Am 2. Dezember 1972 starb Yip Man, der letzte Großmeister des gesamten Wing Chun-Stils, im Jahr der Ratte. Er hinterließ uns ein geniales Kampfsystem und viele faszinierende Anekdoten.
In den letzten Jahren wurde der Großmeister einem weiten Publikum, das sich nicht unbedingt nur aus Wing Chun - Enthusiasten zusammensetzt, durch die "Ip Man" - Filme bekannt, die einige Lebensstationen dieses herausragenden Kampfkünstlers nachzuzeichnen bestrebt sind, auch wenn in diesen Filmen der Gehalt an Dichtung und Fiktion den Anteil von Wahrheit freilich zugunsten dramaturgischer Kniffe deutlich übersteigt.
Dennoch muss man diesen Filmen zugute halten, dass darin einerseits wirklich Wing Chun - Techniken gezeigt werden und andererseits vor allem, dass Yip Man dadurch ein bleibendes filmisches Denkmal gesetzt worden ist.
Das größte und schönste Denkmal hat sich Yip Man jedoch schon längst selbst gesetzt:
Durch seine Überarbeitung des Wing Chun hat er das System so weit modernisiert, dass diese exzellente Kampfkunst auch heute noch zu Recht zu den effektivsten Kampf- und Selbstverteidigungssystemen auf der ganzen Welt zählen darf. So lebt der Geist Yip Mans in jedem Wing Chun - Ausübenden und in der Gesamtheit dieser Kampfkunst auch heute noch weiter. Eine schönere Form der Unsterblichkeit kann man sich wohl kaum wünschen.
In diesem Sinne verneigt sein Haupt voller Respekt und Demut und in tiefer Dankbarkeit für diesen großartigen Kampfkünstler
Euer Sifu Kai
P.s.: Ein Großteil der Informationen über Yip Man entstammt dem Buch "116 Wing Tsun Holzpuppen-Techniken", welches im Wushu-Verlag erschienen ist und inzwischen als Liebhaberausgabe gilt.
Samstag, 1. Dezember 2012
Die gute Idee für den Monat Dezember
Liebe Mitlesende,
an dieser Stelle beabsichtige ich, zu Beginn jedes Monats eine "gute Idee" zu präsentieren, deren Befolgung eine Steigerung der Lebensqualität beziehungsweise des allgemeinen Gesundheitsgefühls nach sich ziehen sollte. Selbstverständlich steht es jedem frei, diesen Ratschlag auch als für sich selbst nicht kompatibel zu verwerfen. Schließlich gleicht kein Individuum in seinen Empfindungen und Bedürfnissen völlig dem anderen, und auch ich bin "nur" ein Mensch und daher vor Irrtümern nicht gefeit, wie schon der Lateiner so treffend feststellte: "Errare humanum est"...
Für den Monat Dezember gilt ja, dass die kommenden Wochen von der Adventszeit und damit verbunden von der Vorfreude auf das Weihnachtsfest geprägt sein werden. Nun freuen sich Erwachsene meist - wenn überhaupt noch - in einer anderen Weise auf Weihnachten, als es die Kinder denn tun. Für Kinder steht ja häufig die Freude auf Geschenke im Vordergrund, und niemand wird ihnen diese kindliche Freude verdenken wollen, ist die (hoffentlich noch einigermaßen) unbeschwerte Kinderzeit doch ohnehin viel zu rasch vorbei.
Erwachsene hingegen geraten viel zu oft in Stress, wenn es darum geht, möglichst passende Geschenke aufzutreiben und die Feierlichkeiten an den Festtagen vorbereiten und organisieren zu müssen.
Auch die Medien und vor allem die Werbung tragen leider dazu bei, dass Weihnachten immer mehr zu einem einzigen Wettbewerb der Konsumorientierung verkommt. Dabei gerät der wahre Sinn des Weihnachtsfestes zunehmend in Vergessenheit. Nun will ich hier keine Moralpredigten in punkto christlicher Heilslehre halten, denn das würde den ursprünglichen Zweck dieses Blogs verfehlen und mitunter manche Leser, die nicht in einer christlichen Religion verwurzelt sind, schlimmstenfalls sogar vergraulen. Aber ich möchte hier einmal aufzeigen, wie man die Adventszeit auch für das Finden der eigenen Mitte, was schließlich für die Kampfkunst von einiger Bedeutung ist, nutzen kann.
Mein Tip für den Monat Dezember lautet daher wie folgt:
Nehmt Euch ganz bewusst die Zeit, den Advent zu zelebrieren. Wenn Ihr mal für eine halbe Stunde am Tag die sonst so alltäglichen Zerstreuungen der Freizeit fallen lasst und stattdessen bei einer Tasse Tee oder Kaffee und gerne auch mit etwas Gebäck und mit den Personen, die Euch am Herzen liegen, an einem mit Kerzen dekorierten Tisch zusammenkommt, dann werdet Ihr schnell merken, welche Stille auch in Eurem eigenen Inneren Einzug halten kann. Entschleunigung lautet in diesem Zusammenhang das Schlagwort.
Das Betrachten einer Kerze kann sehr gut zur Meditation dienen. Wenn man in das warme Licht hineinschaut und den Rhythmus des eigenen Atems und des eigenen Herzschlages wahrnimmt, wird man mit ein wenig Glück eine Ahnung vermittelt bekommen von dem Zustand einer harmonischen Grundzufriedenheit, die uns Menschen in unserer immer stärker technisierten und von Termindruck dominierten Gesellschaft bedauernswerterweise mittlerweile in weiten Teilen schon abhanden gekommen ist.
Lasst Euch entführen von dem Zauber der Adventszeit, versucht einmal, die Ruhe zu spüren, die Ihr Euch ganz bewusst selbst verordnen solltet. Und vielleicht gelingt es ja manchem sogar, einen Hauch des Empfindens aus fernen Kindertagen wiederzubeleben...
Der Advent sollte eine Zeit des Innehaltens sein; auch das Nachdenken über das wieder einmal in Windeseile vorübergerauschte Jahr ist in diesen Wochen durchaus erlaubt. Und man sollte diese Zeit der Stille nutzen, um neue Kräfte zu tanken für das neue Jahr, das bereits ungeduldig in den Startlöchern steht.
Umgebt Euch mit Menschen, die Ihr gerne habt und die Euch ein angenehmes Gefühl vermitteln können und meidet möglichst zu viel Ärger und all diejenigen Zeitgenossen, die nichts anderes zu tun zu haben scheinen, als einem das Leben nach Strich und Faden zu vergällen.
Horcht in der Stille in Euch hinein, findet wieder mehr zu Euch selbst und entsagt einmal ganz entschieden der Fremdbestimmtheit. Denn wenn Ihr diese grundlegende Harmonie des eigenen Wesens gefunden haben solltet, dann werdet Ihr auch eine positive Veränderung Eurer Kampfkunst wahrnehmen können, ganz gleich, ob es sich nun um den Formenlauf, anderes alltägliches Training oder um Partnerübungen (wie beispielsweise das Chi Sao) handelt.
Genießt einfach die Adventszeit und lasst Weihnachten zu dem geraten, als was es eigentlich ursprünglich gedacht gewesen ist - als ein Fest der Liebe.
In diesem Sinne wünscht Euch allen eine schöne, besinnliche und friedliche Adventszeit,
Euer Sifu Kai
an dieser Stelle beabsichtige ich, zu Beginn jedes Monats eine "gute Idee" zu präsentieren, deren Befolgung eine Steigerung der Lebensqualität beziehungsweise des allgemeinen Gesundheitsgefühls nach sich ziehen sollte. Selbstverständlich steht es jedem frei, diesen Ratschlag auch als für sich selbst nicht kompatibel zu verwerfen. Schließlich gleicht kein Individuum in seinen Empfindungen und Bedürfnissen völlig dem anderen, und auch ich bin "nur" ein Mensch und daher vor Irrtümern nicht gefeit, wie schon der Lateiner so treffend feststellte: "Errare humanum est"...
Für den Monat Dezember gilt ja, dass die kommenden Wochen von der Adventszeit und damit verbunden von der Vorfreude auf das Weihnachtsfest geprägt sein werden. Nun freuen sich Erwachsene meist - wenn überhaupt noch - in einer anderen Weise auf Weihnachten, als es die Kinder denn tun. Für Kinder steht ja häufig die Freude auf Geschenke im Vordergrund, und niemand wird ihnen diese kindliche Freude verdenken wollen, ist die (hoffentlich noch einigermaßen) unbeschwerte Kinderzeit doch ohnehin viel zu rasch vorbei.
Erwachsene hingegen geraten viel zu oft in Stress, wenn es darum geht, möglichst passende Geschenke aufzutreiben und die Feierlichkeiten an den Festtagen vorbereiten und organisieren zu müssen.
Auch die Medien und vor allem die Werbung tragen leider dazu bei, dass Weihnachten immer mehr zu einem einzigen Wettbewerb der Konsumorientierung verkommt. Dabei gerät der wahre Sinn des Weihnachtsfestes zunehmend in Vergessenheit. Nun will ich hier keine Moralpredigten in punkto christlicher Heilslehre halten, denn das würde den ursprünglichen Zweck dieses Blogs verfehlen und mitunter manche Leser, die nicht in einer christlichen Religion verwurzelt sind, schlimmstenfalls sogar vergraulen. Aber ich möchte hier einmal aufzeigen, wie man die Adventszeit auch für das Finden der eigenen Mitte, was schließlich für die Kampfkunst von einiger Bedeutung ist, nutzen kann.
Mein Tip für den Monat Dezember lautet daher wie folgt:
Nehmt Euch ganz bewusst die Zeit, den Advent zu zelebrieren. Wenn Ihr mal für eine halbe Stunde am Tag die sonst so alltäglichen Zerstreuungen der Freizeit fallen lasst und stattdessen bei einer Tasse Tee oder Kaffee und gerne auch mit etwas Gebäck und mit den Personen, die Euch am Herzen liegen, an einem mit Kerzen dekorierten Tisch zusammenkommt, dann werdet Ihr schnell merken, welche Stille auch in Eurem eigenen Inneren Einzug halten kann. Entschleunigung lautet in diesem Zusammenhang das Schlagwort.
Das Betrachten einer Kerze kann sehr gut zur Meditation dienen. Wenn man in das warme Licht hineinschaut und den Rhythmus des eigenen Atems und des eigenen Herzschlages wahrnimmt, wird man mit ein wenig Glück eine Ahnung vermittelt bekommen von dem Zustand einer harmonischen Grundzufriedenheit, die uns Menschen in unserer immer stärker technisierten und von Termindruck dominierten Gesellschaft bedauernswerterweise mittlerweile in weiten Teilen schon abhanden gekommen ist.
Lasst Euch entführen von dem Zauber der Adventszeit, versucht einmal, die Ruhe zu spüren, die Ihr Euch ganz bewusst selbst verordnen solltet. Und vielleicht gelingt es ja manchem sogar, einen Hauch des Empfindens aus fernen Kindertagen wiederzubeleben...
Der Advent sollte eine Zeit des Innehaltens sein; auch das Nachdenken über das wieder einmal in Windeseile vorübergerauschte Jahr ist in diesen Wochen durchaus erlaubt. Und man sollte diese Zeit der Stille nutzen, um neue Kräfte zu tanken für das neue Jahr, das bereits ungeduldig in den Startlöchern steht.
Umgebt Euch mit Menschen, die Ihr gerne habt und die Euch ein angenehmes Gefühl vermitteln können und meidet möglichst zu viel Ärger und all diejenigen Zeitgenossen, die nichts anderes zu tun zu haben scheinen, als einem das Leben nach Strich und Faden zu vergällen.
Horcht in der Stille in Euch hinein, findet wieder mehr zu Euch selbst und entsagt einmal ganz entschieden der Fremdbestimmtheit. Denn wenn Ihr diese grundlegende Harmonie des eigenen Wesens gefunden haben solltet, dann werdet Ihr auch eine positive Veränderung Eurer Kampfkunst wahrnehmen können, ganz gleich, ob es sich nun um den Formenlauf, anderes alltägliches Training oder um Partnerübungen (wie beispielsweise das Chi Sao) handelt.
Genießt einfach die Adventszeit und lasst Weihnachten zu dem geraten, als was es eigentlich ursprünglich gedacht gewesen ist - als ein Fest der Liebe.
In diesem Sinne wünscht Euch allen eine schöne, besinnliche und friedliche Adventszeit,
Euer Sifu Kai
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