Sonntag, 5. Mai 2013
Die gute Idee für den Monat Mai
Liebe Leserinnen und Leser,
nachdem mein alter PC nach zehnjähriger Dienstzeit vor einer Woche das Zeitliche gesegnet hatte, erscheint nun heute mit geringer Verspätung mein neuer Beitrag zum Monatsbeginn.
"Alles neu macht der Mai" - so besagt ein altes Sprichwort.
Und warum sollten nicht wir Menschen uns ein Beispiel an dem Erwachen und der Erneuerung in der Natur nehmen? Daher lautet mein Vorschlag für diesen Monat: Beschreitet den Weg der Selbsterneuerung und werft überflüssigen Ballast und drückende Altlasten von Euch!
Wie heilsam für die Seele eine solche "Erneuerungskur" sein kann, ist ja inzwischen vielfach wissenschaftlich / medizinisch belegt. Indem man sich von hemmendem und unnützem Ballast befreit, wird man auch wieder offener für Neues.
Diese Offenheit kommt auch wieder unserer Entwicklung in der Kampfkunst zugute.
Denn da sich die Gegebenheiten des Kampfes mit der Zeit immer weiterentwickelt und verändert haben, ist für den Kampfkünstler, der auch immer die realitätsorientierte Selbstverteidigung im Auge behalten sollte, nichts so schädlich, als wenn er in Doktrinen und festgefahrenen Verhaltensmustern, die früher vielleicht einmal Sinn ergeben haben mögen, unabänderlich verharrt. Eine Bereitschaft zur Anpassung an die modernen Gegebenheiten des Kampfes und zum Dazulernen in punkto Entwicklung der Kampfkünste, welche ja auf dem Zeitstrahl stetig voranschreiten und nicht etwa in der Feudalzeit stehengeblieben sind, wird ebenso notwendig erscheinen wie eben auch eine Trennung von inzwischen überholten und daher sinnlos gewordenen Verhaltensmustern.
Welche Qi Gong - Übungen uns nun dabei unterstützen können, wieder neue Energien zu tanken und dadurch auch offener für neue Impulse (auf allen Ebenen des Lebens) zu werden, sei durch die Verknüpfung zu folgendem Clip auf meiner Youtube-Präsenz veranschaulicht:
http://www.youtube.com/watch?v=XTMiO08IVj0
Ich demonstriere darin die Qi Gong Yang Cheng - Übungen, die sich ganz besonders zur Regeneration und Energiesammlung eignen.
Ausgehend von der Übung der "Stehenden Säule" (Zhang Zhuan Gong), die hier in der Ausprägung "Den Ball halten" gezeigt wird, beginne ich den Übungskomplex mit der Bewegungsform "Der grüne Drache trinkt Wasser". Danach folgt "Den Mond aus dem See fischen" und daran anschließend "Das Unendliche einatmen". Als nächstes präsentiere ich in dem Clip die Bewegung "Das Schwert des Lebens", um den Zyklus dann mit "Das Qi einatmen" abzuschließen. Am Ende wird dann nochmals die "Stehende Säule" mit der Übung "Den Ball halten" ausgeführt.
Wer diese Übungen regelmäßig und nach Möglichkeit im Freien, im besten Fall noch an einem (Fließ-)Gewässer ausübt, wird schon bald den reinigenden und stärkenden Effekt dieser Arbeit mit der Lebensenergie "Qi" verspüren.
In diesem Sinne bleibt mir nur noch, allen Mitlesenden einen energiegeladenen und freudvollen Wonnemonat Mai zu wünschen!
Euer Sifu Kai
Mittwoch, 3. April 2013
Die gute Idee für den Monat April
Liebe Leserinnen und Leser,
auch wenn es derzeit hierzulande noch nicht danach aussieht: Der Frühling steht vor der Tür.
Bald beginnt auch wieder die Strand- und Freibadsaison, und wer an diesen Orten eine möglichst gute „Figur abgeben“ möchte, sollte nun damit beginnen, den Körper wieder auf Sommerform zu bringen.
Ganz sicher betrifft es keinen einzigen der Mitlesenden, denn wir sind ja alle daran interessiert, unsere Körper das ganze Jahr über in trainiertem Zustand zu halten; für die wenigen Einzelfälle, die über den Winter vielleicht doch ein wenig das Training haben schleifen lassen, möchte ich dennoch für diesen Monat folgenden Vorschlag unterbreiten: Probiert doch einmal ein Training lediglich mit dem eigenen Körpergewicht (Bodyweight Training) anstatt nach Hanteln zu greifen oder gar im Fitnessstudio an Maschinen den Körper zu stählen!
Das Training mit dem Körpergewicht bietet viele Vorteile und hat erwiesenermaßen schon bei einer großen Anzahl von Menschen zu hervorragenden Resultaten geführt. Nicht umsonst nutzen inzwischen die Elitetruppen des Militärs – von den Navy SEALs über die Army Green Berets bis hin zu den Air Force Special Tactics Operators – diese Übungen als Basis ihres Krafttrainings. Man darf nicht vergessen, dass seit Tausenden von Jahren die größten Athleten der Menschheit sich eben nicht auf ein Fitnessstudio oder ein paar Hanteln verlassen haben – seien es nun die Olympioniken im antiken Griechenland (für die Kampfkunst von besonderer Bedeutung: das Pankration!) oder die militärischen Spezialkräfte von morgen.
Durch das Training mit dem eigenen Körpergewicht wird man in die Lage versetzt, genau dort zu trainieren, wo man sich gerade befindet, egal, ob im Wohnzimmer, Schlafzimmer, in der Garage, im Garten, im Büro oder wo auch immer. Der eigene Körper ist quasi das einzige „Gerät“, das immer bei einem ist. Er steht einem immer zur Verfügung. Auch wird man keine endlosen Stunden mehr im Fitnessstudio verbringen müssen, da sich die Trainingszeit mit dem eigenen Körpergewicht auf etwa zwei Stunden pro Woche (!) veranschlagen lässt.
Durch diese Form des Trainings werden außerdem nicht nur alle wichtigen Muskelgruppen, die für den Alltag benötigt werden, gekräftigt, sondern zusätzlich wird auch noch bewirkt, dass Muskeln und Gelenke beweglich und elastisch gehalten werden, die Leistung von Herz, Lungen und Körperorganen wird verbessert, die Anfälligkeit für häufige Verletzungen und degenerative Herzerkrankungen wird verringert und emotionale und nervliche Anspannung wird reduziert.
Und seien wir mal ehrlich: Wer glaubt denn wirklich, dass wir geschaffen wurden oder uns weiterentwickelt haben, damit wir Maschinen brauchen, um fit bleiben zu können?
Es ist einfach nur dem Mangel an Wissen über die Möglichkeiten des eigenen Körpers geschuldet, dass die ständige Nachfrage der Menschheit nach sinnlosen Fitnessspielereien am Leben erhalten bleibt.
Die Abhängigkeit von Geräten, Trainern und weitverbreiteten Irrtümern in der sogenannten Fitnessbranche sind genau genommen nichts anderes als Krücken, die einen davon abhalten, in die persönliche Bestform zu gelangen. So betrachtet könnte man meinen heutigen Beitrag auch als einen Aufruf zurück zur Natur werten.
Denn vergessen wir nicht – unsere Fitness sollte von nichts abhängen außer von uns selbst!
Wer sich nun für das Bodyweight Training interessieren sollte, dem kann ich guten Gewissens folgende Publikation empfehlen: Lauren, Mark: Fit ohne Geräte. Trainieren mit dem eigenen Körpergewicht. München 2011.
In diesem Buch lassen sich diverse Anleitungen zu sinnvollen Übungen mit dem eigenen Körpergewicht finden, die detailliert erklärt und mit Fotos veranschaulicht werden. Außerdem werden am Ende des Buches noch fertig ausgearbeitete Übungsprogramme für Einsteiger bis hin zu Spitzensportlern präsentiert.
Nun bleibt mir nur noch, allen Mitlesenden ein frohes und ertragreiches Training zu wünschen, auf dass der Sommer uns alle mit attraktiven Strand-Figuren antreffen möge!
In diesem Sinne verbleibe ich einmal mehr,
Euer Sifu Kai
Sonntag, 17. März 2013
Über die Vorteile der Verbandsunabhängigkeit
Liebe Mitlesende,
des öfteren wurde ich schon gefragt, warum ich mich als Sifu für Wing Chun keinem großen Dachverband (wie z.B. der EWTO oder der IWKA ) angeschlossen habe, sondern lieber verbandsunabhängig unterrichte.
Nun, einerseits gehöre ich ja der International Sifu Federation und dem Yip Man Martial Arts Sifu Council an, welche Fachabteilungen der Martial Arts Association – International sind, und andererseits möchte ich die betont unabhängige Unterrichtsweise meines Sifu fortführen, der stets systemübergreifend unterrichtet hat, auch wenn er vordergründig eine Orientierung an der Yip Man – Version des Wing Chun vorgenommen hatte, in die auch Elemente aus der Lo – Familie integriert worden sind. Da ich selbst auch die Unterrichtspraktiken der EWTO kenne und obendrein Einblicke in die Ideen der EBMAS und IWKA erhalten durfte, denke ich, dass ich die systemübergreifende Unterrichtsweise meines Lehrers in seinem Sinne werde fortführen können, denn für mich persönlich stellt der freie, unbeschränkte Geist (nicht nur in der Kampfkunst) die höchste Maxime dar.
Welche Vorteile bietet nun eine Verbandsunabhängigkeit?
Zuerst einmal muss man bedenken, dass leider nicht jede Wing Chun – Schule dem Schüler eine ehrliche, faire und vertrauenswürdige Basis bietet. Man darf nie vergessen, dass sich eine gute Wing Chun – Schule nicht durch die Kampfstärke des Lehrers auszeichnet, sondern durch die Art und Weise, wie Wing Chun vermittelt wird.
Auch existieren viele Schulen, die in den ersten Jahren (!) gar kein Wing Chun oder höchstens kleine Bruchstücke davon unterrichten. Ein Konglomerat aus diversen Verteidigungs- und „Defence“- Stilen wird da häufig als Wing Chun – Technik verkauft, und der unbedarfte Laie erkannt meist erst nach (mehr oder weniger verlorenen) Jahren, dass er nur Zeit vergeudet und eben kein Wing Chun gelernt hat.
Da es jedoch ganz offensichtlich keinen Sinn machen kann, Wing Chun als eine effektive Kampfkunst zu bezeichnen, dann aber zuerst etwas ganz anderes zu unterrichten, lehre ich nach den Maßstäben meines Sifu vom ersten Tag an offen und ehrlich und ohne alle Schnörkel oder sonstigen Verzierungen / Abwandlungen Wing Chun.
In einigen Wing Chun-Schulen gleichen die Verträge wahren Pflichtenkatalogen: Der Schüler wird im Regelfall auf 12 Monate zur Zahlung von Monatsbeiträgen, aber zusätzlich auch noch zur Zahlung von einem oder mehreren Jahresbeiträgen an verschiedene Unternehmen verpflichtet.
Der "Mitgliedsantrag" besteht oft aus zwei oder drei Verträgen mit diversen GmbHs oder GmbH&Co. KGs und enthält für den Schüler nur (Zahlungs-)Pflichten ohne die Gegenleistung detailliert zu beschreiben.
Bei mir hingegen zahlt der Schüler lediglich vor Beginn der jeweiligen Unterrichtseinheit an mich persönlich.
Erscheint er nicht zum Unterricht, braucht er auch nichts zu zahlen. Somit entsteht ein konkretes Vertrauensverhältnis aus Leistung und Gegenleistung. Der Schüler weiß genau, was er vom Unterricht erwarten darf und wofür er seinen Beitrag entrichtet.
In vielen Wing Chun-Schulen ist es üblich , dass der Schüler erst eine (kostenpflichtige) Prüfung ablegen muss, bevor er neue Programme erlernen darf. Bei mir erhält jeder die Chance, in seiner persönlichen Geschwindigkeit Schritt für Schritt das komplette Wing Chun-System zu lernen. Es gibt bei mir auch keinen Prüfungszwang, keine "Wartezeiten" oder sogenannte "Mindestvorbereitungszeiten".
Oftmals wird in einigen Schulen auch das Chi Sao überbewertet. Zwar darf der Spruch „Das Herz des Wing Chun sind die Chi-Sao-Sektionen“ seine Gültigkeit beanspruchen, nicht umsonst gibt es neunzehn Sektionen für das Chi Sao, jedoch betrachte ich den Umstand, die Schüler pro Sektion bis zu 250 € zahlen zu lassen, wie es nicht selten vorkommt, doch als Abzockerei. So darf es auch nicht verwundern, dass man in einigen Verbänden den Preis eines Oberklassekraftfahrzeuges einrechnen muss, bis man das komplette System erlernt hat.
Da das Chi Sao aber zum Wing Chun dazugehört wie die Blüte der Bäume zum Frühling, sehe ich keinen Sinn darin, diese Übungen aus dem Unterricht auszuklammern und extra bezahlen zu lassen. Das Chi Sao wird bei mir in das Training integriert und begleitet das Erlernen der Formen und der Partnerübungen.
Wie man sieht, ergeben sich aus der Verbandsunabhängigkeit einige nicht zu unterschätzende Vorteile, die vor allem den Schülern zugute kommen.
Um sich im Dschungel der diversen Verbände ein wenig orientieren zu können, präsentiere ich hier nun noch einmal einen groben Überblick über die Entwicklung des Wing Chun zu den heutigen – meist miteinander konkurrierenden – Dachverbänden:
Wing Chun wurde über Generationen hinweg nur im engsten Kreis weitergegeben. Erst unter Yip Man wurde Wing Chun auch in einer breiteren Öffentlichkeit unterrichtet.
Im Laufe der Zeit haben die von Yip Man unterrichteten Schüler ihre eigenen Schülergenerationen hervorgebracht. Zwischen den einzelnen Generationen bestehen Unterschiede in manchen Ansichten zu dem Wing Chun-System. Zur Unterscheidung nach außen wählten die Vertreter der unterschiedlichen Ansichten deshalb andere Schreibweisen.
Die chinesischen Schriftzeichen wurden von Yip Man als „Ving Tsun“ in lateinische Buchstaben umgesetzt. Diese Schreibweise verwendet auch die Wong Shun Leung-Linie. Einige seiner Schüler bevorzugten die amerikanische Schreibweise „Wing Chun“, so z.B. auch Bruce Lee, aber auch Yip Mans Söhne und William Cheung. Auch in Europa hat sich die Schreibweise „Wing Chun“ als übergreifende Bezeichnung weitgehend durchgesetzt Yip Mans letzter Schüler Leung Ting verwendete zunächst zur Abgrenzung die Variante „Wing Tsun“ und später die zusammengezogene Schreibweise „WingTsun“.
Bruce Lee, der ebenfalls von Yip Man gelernt hatte, gründete sein eigenes Kampfkonzept namens „Jeet Kune Do“. Neben all diesen existieren einige weitere nahmhafte Schüler Yip Mans, die ihren eigenen Stil - und damit eben auch ihre eigene Schreibweise - begründet haben.
In Deutschland gibt es derzeit eine Vielzahl von Schreibweisen und Verbänden.
In der Hoffnung, mit diesem Beitrag meinen Standpunkt zum Thema Verbandszugehörigkeit ein wenig dargelegt zu haben, verbleibe ich wieder
Euer Sifu Kai
des öfteren wurde ich schon gefragt, warum ich mich als Sifu für Wing Chun keinem großen Dachverband (wie z.B. der EWTO oder der IWKA ) angeschlossen habe, sondern lieber verbandsunabhängig unterrichte.
Nun, einerseits gehöre ich ja der International Sifu Federation und dem Yip Man Martial Arts Sifu Council an, welche Fachabteilungen der Martial Arts Association – International sind, und andererseits möchte ich die betont unabhängige Unterrichtsweise meines Sifu fortführen, der stets systemübergreifend unterrichtet hat, auch wenn er vordergründig eine Orientierung an der Yip Man – Version des Wing Chun vorgenommen hatte, in die auch Elemente aus der Lo – Familie integriert worden sind. Da ich selbst auch die Unterrichtspraktiken der EWTO kenne und obendrein Einblicke in die Ideen der EBMAS und IWKA erhalten durfte, denke ich, dass ich die systemübergreifende Unterrichtsweise meines Lehrers in seinem Sinne werde fortführen können, denn für mich persönlich stellt der freie, unbeschränkte Geist (nicht nur in der Kampfkunst) die höchste Maxime dar.
Welche Vorteile bietet nun eine Verbandsunabhängigkeit?
Zuerst einmal muss man bedenken, dass leider nicht jede Wing Chun – Schule dem Schüler eine ehrliche, faire und vertrauenswürdige Basis bietet. Man darf nie vergessen, dass sich eine gute Wing Chun – Schule nicht durch die Kampfstärke des Lehrers auszeichnet, sondern durch die Art und Weise, wie Wing Chun vermittelt wird.
Auch existieren viele Schulen, die in den ersten Jahren (!) gar kein Wing Chun oder höchstens kleine Bruchstücke davon unterrichten. Ein Konglomerat aus diversen Verteidigungs- und „Defence“- Stilen wird da häufig als Wing Chun – Technik verkauft, und der unbedarfte Laie erkannt meist erst nach (mehr oder weniger verlorenen) Jahren, dass er nur Zeit vergeudet und eben kein Wing Chun gelernt hat.
Da es jedoch ganz offensichtlich keinen Sinn machen kann, Wing Chun als eine effektive Kampfkunst zu bezeichnen, dann aber zuerst etwas ganz anderes zu unterrichten, lehre ich nach den Maßstäben meines Sifu vom ersten Tag an offen und ehrlich und ohne alle Schnörkel oder sonstigen Verzierungen / Abwandlungen Wing Chun.
In einigen Wing Chun-Schulen gleichen die Verträge wahren Pflichtenkatalogen: Der Schüler wird im Regelfall auf 12 Monate zur Zahlung von Monatsbeiträgen, aber zusätzlich auch noch zur Zahlung von einem oder mehreren Jahresbeiträgen an verschiedene Unternehmen verpflichtet.
Der "Mitgliedsantrag" besteht oft aus zwei oder drei Verträgen mit diversen GmbHs oder GmbH&Co. KGs und enthält für den Schüler nur (Zahlungs-)Pflichten ohne die Gegenleistung detailliert zu beschreiben.
Bei mir hingegen zahlt der Schüler lediglich vor Beginn der jeweiligen Unterrichtseinheit an mich persönlich.
Erscheint er nicht zum Unterricht, braucht er auch nichts zu zahlen. Somit entsteht ein konkretes Vertrauensverhältnis aus Leistung und Gegenleistung. Der Schüler weiß genau, was er vom Unterricht erwarten darf und wofür er seinen Beitrag entrichtet.
In vielen Wing Chun-Schulen ist es üblich , dass der Schüler erst eine (kostenpflichtige) Prüfung ablegen muss, bevor er neue Programme erlernen darf. Bei mir erhält jeder die Chance, in seiner persönlichen Geschwindigkeit Schritt für Schritt das komplette Wing Chun-System zu lernen. Es gibt bei mir auch keinen Prüfungszwang, keine "Wartezeiten" oder sogenannte "Mindestvorbereitungszeiten".
Oftmals wird in einigen Schulen auch das Chi Sao überbewertet. Zwar darf der Spruch „Das Herz des Wing Chun sind die Chi-Sao-Sektionen“ seine Gültigkeit beanspruchen, nicht umsonst gibt es neunzehn Sektionen für das Chi Sao, jedoch betrachte ich den Umstand, die Schüler pro Sektion bis zu 250 € zahlen zu lassen, wie es nicht selten vorkommt, doch als Abzockerei. So darf es auch nicht verwundern, dass man in einigen Verbänden den Preis eines Oberklassekraftfahrzeuges einrechnen muss, bis man das komplette System erlernt hat.
Da das Chi Sao aber zum Wing Chun dazugehört wie die Blüte der Bäume zum Frühling, sehe ich keinen Sinn darin, diese Übungen aus dem Unterricht auszuklammern und extra bezahlen zu lassen. Das Chi Sao wird bei mir in das Training integriert und begleitet das Erlernen der Formen und der Partnerübungen.
Wie man sieht, ergeben sich aus der Verbandsunabhängigkeit einige nicht zu unterschätzende Vorteile, die vor allem den Schülern zugute kommen.
Um sich im Dschungel der diversen Verbände ein wenig orientieren zu können, präsentiere ich hier nun noch einmal einen groben Überblick über die Entwicklung des Wing Chun zu den heutigen – meist miteinander konkurrierenden – Dachverbänden:
Wing Chun wurde über Generationen hinweg nur im engsten Kreis weitergegeben. Erst unter Yip Man wurde Wing Chun auch in einer breiteren Öffentlichkeit unterrichtet.
Im Laufe der Zeit haben die von Yip Man unterrichteten Schüler ihre eigenen Schülergenerationen hervorgebracht. Zwischen den einzelnen Generationen bestehen Unterschiede in manchen Ansichten zu dem Wing Chun-System. Zur Unterscheidung nach außen wählten die Vertreter der unterschiedlichen Ansichten deshalb andere Schreibweisen.
Die chinesischen Schriftzeichen wurden von Yip Man als „Ving Tsun“ in lateinische Buchstaben umgesetzt. Diese Schreibweise verwendet auch die Wong Shun Leung-Linie. Einige seiner Schüler bevorzugten die amerikanische Schreibweise „Wing Chun“, so z.B. auch Bruce Lee, aber auch Yip Mans Söhne und William Cheung. Auch in Europa hat sich die Schreibweise „Wing Chun“ als übergreifende Bezeichnung weitgehend durchgesetzt Yip Mans letzter Schüler Leung Ting verwendete zunächst zur Abgrenzung die Variante „Wing Tsun“ und später die zusammengezogene Schreibweise „WingTsun“.
Bruce Lee, der ebenfalls von Yip Man gelernt hatte, gründete sein eigenes Kampfkonzept namens „Jeet Kune Do“. Neben all diesen existieren einige weitere nahmhafte Schüler Yip Mans, die ihren eigenen Stil - und damit eben auch ihre eigene Schreibweise - begründet haben.
In Deutschland gibt es derzeit eine Vielzahl von Schreibweisen und Verbänden.
In der Hoffnung, mit diesem Beitrag meinen Standpunkt zum Thema Verbandszugehörigkeit ein wenig dargelegt zu haben, verbleibe ich wieder
Euer Sifu Kai
Freitag, 1. März 2013
Die gute Idee für den Monat März
Liebe Mitlesende,
nachdem ich für den Februar den Vorschlag unterbreitet hatte, Tätigkeiten des Alltags mit der schwächeren Hand auszuführen, möchte ich nun für den März anregen, öfter mal nur auf einem Bein zu stehen.
Wie wir alle wissen, schult das Stehen auf einem Bein das Gleichgewicht in besonderem Maße und stellt eine Herausforderung an den Gleichgewichtssinn und an die Koordination diverser Muskelgruppen des Körpers dar. Auf der Fotoillustration (entstanden im Jahr 2009) sieht man den Autor beim Üben einer Position aus der Zhan Zhuang Gong (Übungen der stehenden Säule), die dem Qi Gong zuzurechnen ist und in dieser Ausprägung die fortgeschrittene Version auf einem Bein der Figur "Den Baum umarmen" darstellt. Während bei dieser Übung auf einem Bein gestanden wird, während der Körper sich lediglich in einer ruhenden Position befindet, so kann man jedoch auch den Schwierigkeitsgrad noch steigern, indem man auf einem Bein stehend Bewegungen mit den oberen Extremitäten ausführt. Das Üben der Siu Nim Tao - Form auf einem Bein stellt im Wing Chun eine beliebte Trainingsmöglichkeit dar, zusätzlich zu den Handtechniken auch noch einen stabilen, verwurzelten Stand auszubilden und die Kraft in den Beinen zu schulen.
In der Kampfkunst entscheidet ein stabiler, verwurzelter Stand, der trotz alledem noch eine hohe Flexibilität erlaubt, zu einem großen Teil mit über den Erfolg im praxisorientierten Kämpfen. Ich möchte jetzt nicht eine Diskussion über die verschiedenen Lösungsansätze und Tauglichkeiten der Stände diverser Kampfkunstrichtungen (Stichwort: hohe und tiefe Stände) anstoßen, sondern will ganz einfach nur darauf hinweisen, dass eine gute Balance im Sinne eines harmonischen Körpergefühls und Gleichgewichtsempfindens für die Kampfkunst unablässlich ist.
Doch auch aus der Sicht der allgemeinen Gesundheitsvorsorge ist eine Schulung des Gleichgewichtssinnes sehr zu empfehlen. So kann dadurch dem tückischen und gefürchteten Altersschwindel vorgebeugt werden, der viele ältere Menschen von diversen Aktivitäten ausschließt, da sie von der Furcht beherrscht werden, sie könnten stürzen und sich ernsthafte Verletzungen zuziehen. Daher ist es auch aus gesundheitssportlicher Sicht äußerst sinnvoll, rechtzeitig daran zu arbeiten, sich ein stabiles Maß an Gleichgewichtssinn durch regelmäßige Übungen zu erhalten.
Bevor ich für heute zum Schluss komme, möchte ich noch anmerken, dass es neben den spezifischen Übungen noch vielerlei Möglichkeiten gibt, das Gleichgewicht zu schulen. So kann man beispielsweise einfach öfter mal auf einem Bein stehen, während man sich ankleidet, während man telefoniert oder während man sich die Haare kämmt... Dem Einfallsreichtum sind auch in dieser Hinsicht praktisch keine Grenzen gesetzt, so dass auch niemand eine ernsthafte Ausrede vorbringen kann, warum er die Schulung des Gleichgewichtssinnes eventuell vernachlässigt.
In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen und Lesern viel Spaß beim Üben und verbleibe einmal mehr
Euer Sifu Kai
nachdem ich für den Februar den Vorschlag unterbreitet hatte, Tätigkeiten des Alltags mit der schwächeren Hand auszuführen, möchte ich nun für den März anregen, öfter mal nur auf einem Bein zu stehen.
Wie wir alle wissen, schult das Stehen auf einem Bein das Gleichgewicht in besonderem Maße und stellt eine Herausforderung an den Gleichgewichtssinn und an die Koordination diverser Muskelgruppen des Körpers dar. Auf der Fotoillustration (entstanden im Jahr 2009) sieht man den Autor beim Üben einer Position aus der Zhan Zhuang Gong (Übungen der stehenden Säule), die dem Qi Gong zuzurechnen ist und in dieser Ausprägung die fortgeschrittene Version auf einem Bein der Figur "Den Baum umarmen" darstellt. Während bei dieser Übung auf einem Bein gestanden wird, während der Körper sich lediglich in einer ruhenden Position befindet, so kann man jedoch auch den Schwierigkeitsgrad noch steigern, indem man auf einem Bein stehend Bewegungen mit den oberen Extremitäten ausführt. Das Üben der Siu Nim Tao - Form auf einem Bein stellt im Wing Chun eine beliebte Trainingsmöglichkeit dar, zusätzlich zu den Handtechniken auch noch einen stabilen, verwurzelten Stand auszubilden und die Kraft in den Beinen zu schulen.
In der Kampfkunst entscheidet ein stabiler, verwurzelter Stand, der trotz alledem noch eine hohe Flexibilität erlaubt, zu einem großen Teil mit über den Erfolg im praxisorientierten Kämpfen. Ich möchte jetzt nicht eine Diskussion über die verschiedenen Lösungsansätze und Tauglichkeiten der Stände diverser Kampfkunstrichtungen (Stichwort: hohe und tiefe Stände) anstoßen, sondern will ganz einfach nur darauf hinweisen, dass eine gute Balance im Sinne eines harmonischen Körpergefühls und Gleichgewichtsempfindens für die Kampfkunst unablässlich ist.
Doch auch aus der Sicht der allgemeinen Gesundheitsvorsorge ist eine Schulung des Gleichgewichtssinnes sehr zu empfehlen. So kann dadurch dem tückischen und gefürchteten Altersschwindel vorgebeugt werden, der viele ältere Menschen von diversen Aktivitäten ausschließt, da sie von der Furcht beherrscht werden, sie könnten stürzen und sich ernsthafte Verletzungen zuziehen. Daher ist es auch aus gesundheitssportlicher Sicht äußerst sinnvoll, rechtzeitig daran zu arbeiten, sich ein stabiles Maß an Gleichgewichtssinn durch regelmäßige Übungen zu erhalten.
Bevor ich für heute zum Schluss komme, möchte ich noch anmerken, dass es neben den spezifischen Übungen noch vielerlei Möglichkeiten gibt, das Gleichgewicht zu schulen. So kann man beispielsweise einfach öfter mal auf einem Bein stehen, während man sich ankleidet, während man telefoniert oder während man sich die Haare kämmt... Dem Einfallsreichtum sind auch in dieser Hinsicht praktisch keine Grenzen gesetzt, so dass auch niemand eine ernsthafte Ausrede vorbringen kann, warum er die Schulung des Gleichgewichtssinnes eventuell vernachlässigt.
In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen und Lesern viel Spaß beim Üben und verbleibe einmal mehr
Euer Sifu Kai
Sonntag, 17. Februar 2013
Über "Weichheit" im Wing Chun
Liebe Mitlesende,
nachdem ich jüngst wieder einmal in eine Diskussion über die Bedeutung von Weichheit im Wing Chun verstrickt worden bin, möchte ich Euch an meinen Ideen und Überzeugungen zu diesem Thema teilhaben lassen. Ich bin mir bewusst, dass es unterschiedliche Ansichten darüber gibt, und sicher dürfen diese Ansichten für die Vertreter anderer Linien innerhalb der großen Wing Chun - Familie auch ihre volle Gültigkeit und Berechtigung beanspruchen. Auch denke ich keinesfalls, dass ich mit meiner Auslegung, die sich im Rahmen der von mir erlernten Wing Chun - Linie bewegt, der Weisheit letzten Schluss für mich beanspruchen dürfte. Ich möchte lediglich meine Gedanken dazu präsentieren.
Die Weichheit im Wing Chun ist untrennbar mit den taoistischen Prinzipien verbunden. Letztendlich bedeutet Weichheit nichts anderes, als die Schwäche zur Stärke zu machen. Vergessen wir nicht: Wing Chun wurde von einer Frau entwickelt! Das bedeutet jetzt natürlich nicht, dass alle Wing Chun - Ausübenden Schwächlinge sein müssen.
Viel mehr sollte man bestrebt sein, Freude an der Harmonie zu empfinden und nicht mehr unbedingt "mit dem Kopf durch die Wand" zu wollen. Somit bedeutet "weich" im Wing Chun für mich keinesfalls "schwach". "Weich" heißt für mich flexibel, anpassungsfähig und geschmeidig zu sein. Als Gegensatz könnte man die Starrheit anführen, die mit den Attributen unbeugsam, tot und brüchig einhergeht.
Selbstverständlich sollte man sich nicht scheuen, die Muskeln einzusetzen, denn wie sonst könnte man wohl eine explosive Technik hervorrufen? In einer weichen Kampfkunst entspannt man zunächst daher alle Muskeln und setzt dann allmählich nach Bedarf immer weitere ein.
Um die Weichheit zu entwickeln empfehle ich speziell die Siu Nim Tao - Form sowie Chi Sao - Training.
Nun gibt es Stimmen, die berechtigterweise behaupten, dass sich ein Kampf - zumal für Anfänger - nicht allein durch Weichheit gewinnen lässt. Jedoch ist die Weichheit mit eine der Voraussetzungen, wenn man einen Kampf nach den Wing Chun - Prinzipien bestreiten möchte. Und dennoch wird die Praxis, die Schüler von Beginn an auf Weichheit zu trimmen, von manchen Wing Chun - Vertretern kritisiert. Diese Leute behaupten nämlich, dass der Schüler dadurch im Grunde um den Entwicklungsschritt der enorm wichtigen Struktur beraubt wird , indem man ihn ständig an die Weichheit gemahnt, ohne darauf hinzuweisen das ein Angriff auch mal recht hart und kraftvoll sein kann. Da wird wie folgt argumentiert: "Der Starke ist in erster Linie erfolgreich, was seine Selbstverteidigung angeht und quält sich nicht jahrelang mit 'Weichwerden' ab. Weich kann es ja immer noch werden. Dieser Prozess vom 'Harten zum Weichen' ist enorm wichtig für die Entwicklung des Schülers und darf unter keinen Umständen vorenthalten werden. Wenn ich nicht weiß was 'hart' ist, wie soll ich für mich einschätzen lernen, was mit 'weich' gemeint sein soll."
Auch wird von der selben Seite dann gerne darauf hingewiesen, dass es selbst im WT Stilrichtungen gibt, welche in ihrer "Härte" dem Karate in nichts nachstehen. So hätten die meisten hohen Meister nämlich vom Harten zum Weichen diese Entwicklung selbst beschritten - wer es nicht glaubt, sehe sich alte Bilder in Büchern oder Zeitschriften der üblichen Verdächtigen einfach mal genauer an.
Zu diesen Behauptungen möchte ich nun wie folgt Stellung nehmen:
Da ja das WT hier aufgeführt wurde, so darf doch nicht vergessen werden, dass Keith R. Kernspecht, der des öfteren auch schon als "Vater des WT in Europa" bezeichnet worden ist, auf eine lange Zeit in der Krafttrainingsszene zurückblicken kann und selbst den Weg von "harten" Stilen zum "weichen" WT beschreiten musste. Nach seiner eigenen Aussage tat er sich dabei längere Zeit nicht gerade leicht.
Ich selbst bin über harte Stile zum weicheren Wing Chun gekommen und hatte anfänglich auch Startprobleme, die sich erst im Rahmen von Privatunterricht beheben ließen.
Die Erkenntnis, dass ein Mehr an Kraft letztendlich den Ausschlag in einem Kampf geben kann, hatte ja bereits Eberhard Schneider in seinem Buch "Krafttraining für Kung Fu und Karate" dargelegt.
Nicht umsonst wird das Wing Chun - Training ja auch durch spezifische Kraftübungen belebt, die Arbeit mit dem Langstab sei hier nur als ein Beispiel genannt.
Dennoch ist nichts falsch daran, die Schüler von der ersten Stunde an auf Weichheit zu trimmen. Und dieses Konzept besagt ja noch lange nicht, dass ein Angriff (der ja bekanntlich auch die beste Verteidigung ist) nicht trotzdem auch explosiv und daher kraftvoll vorgetragen werden kann. Es mag ja sein, dass der Starke (im Sinne von physischer Überlegenheit durch Körpergewicht und Muskelmasse) mit seiner auf Härte und brachialer Gewalt, wo meist Kraft gegen Kraft gesetzt wird, so dass der Kräftigere letztendlich Sieger bleiben wird, basierenden Selbstverteidigung erfolgreich ist. Nur hat das dann mit den Wing Chun - Prinzipien nur noch herzlich wenig zu tun. Und ich denke eben nicht, dass dieser Typus Kämpfer noch eines Tages wirkliche Weichheit erlangen wird.
Wie der weiter oben bereits genannte "Vater des WT in Europa" einmal recht treffend anmerkte: "Wer in der Jugend hart beginnt, wird im Alter nicht weich, sondern höchstens schwach und brüchig".
Mir ist auch keine Wing Chun - Stilrichtung bekannt, die in ihrer Härte dem Karate ähneln würde. Und wie wir sicher alle wissen, gibt es auch im Karate innerhalb der einzelnen Stilrichtungen noch Unterschiede und Abstufungen in punkto Härte bzw. relative "Weichheit".
Ich denke daher, wenn man schon die Chance hat, einem Schüler, der nicht zuvor durch härtere Stile für die Weichheit "verdorben" worden ist, gleich von Beginn an die Weichheit zu vermitteln, dann wäre es ein Fehler, diese Chance nicht zu nutzen. Denn als Sifu darf man in erster Linie nur eines im Auge haben: das Wohl und den Fortschritt seiner Schüler.
Letztendlich muss man in diesem Zusammenhang das Wissen um das Zusammenwirken der Kräfte Yau und Gong hinzuziehen. "Yau" entspricht dabei der Federkraft - sie ist passiv, weich, elastisch, federnd und flexibel.
"Gong" hingegen ist die primitive, brutale Kraft, die bei obigem Beispiel dann durch die brachiale Selbstverteidigung des "Starken" symbolisiert werden würde. Die im Wing Chun angewandte Kraft ist Yau.
Das bedeutet nicht, wie manche Kampfsysteme irrtümlich glauben, dass es sich um eine schwache Kraft handeln muss. Denken wir doch z. B. einmal an die Feder in einem Auto. Auch innerhalb der Yau-Kraft kann man differenzieren zwischen einer großen und einer kleinen Kraft, ebenso wie es große und kleine Federn gibt. Es gibt starke und schwache Yau-Kräfte; wie es starke und schwache Federn gibt.
Daher ist der Unterschied zwischen Yau und Gong nicht quantitativ, sondern qualitativ zu bewerten.
Ich habe als Illustration zu dem heutigen Beitrag frische grüne Weidenruten gewählt.
Ganz bewusst habe ich mich gegen die Darstellung von Bambus oder Rattan, die sonst so gerne in ähnlichem Zusammenhang in der Kampfkunstwelt aufgeführt werden, entschieden. Denn die Weidenrute ist einerseits extrem "weich" und biegsam, kann aber auch aufgrund ihrer Elastizität in einer federnden Schnellbewegung eine erstaunliche Kraft entfalten. Jeder, der schon einmal einen Hieb mit einer solchen Rute erhalten hat, wird nachvollziehen können, was ich hiermit verdeutlichen will.
Außerdem gilt die Weide in China als Symbol für den Frühling, und Wing Chun bedeutet nun einmal so viel wie "immerwährender Frühling"...
In der Hoffnung, dass der Frühling auch meteorologisch bald hierzulande Einzug halten möge, verbleibe ich wieder
Euer Sifu Kai
Sonntag, 10. Februar 2013
Das Jahr der Schlange hat begonnen...
Liebe Leserinnen und Leser,
das chinesische Jahr der Schlange hat begonnen. Die Chinesen sagen den Menschen, die im Jahr der Schlange geboren wurden, einige interessante Eigenschaften nach: gutes Aussehen, Charme, Intelligenz, Entschlussfreudigkeit und eine scharfe Beobachtungsgabe. Wenn die Charaktere eher zu der dunklen Seite tendieren, dann können sich zu den vorher genannten positiven Eigenschaften auch noch Aggressivität und Tyrannei hinzugesellen.
Ein lateinisches Sprichwort belegt die Schlange mit folgenden mahnenden Worten: Nemo me impune lacessit.
Das ließe sich in etwa wie folgt übertragen: Niemand tritt mir zu nahe (beleidigt mich), ohne verletzt zu werden. Diese Erkenntnis kann man auch trefflich auf die anzustrebende charakterliche Eigenart eines Wing Chun - Kämpfers anwenden, die sich in den Worten zusammenfassen lässt: Ich kümmere mich um meine eigenen Angelegenheiten, aber wenn du Ärger suchst, dann werde ich dir eine Welt voller Schmerzen verschaffen.
Ich wünsche allen Mitlesenden ein frohes chinesisches Neujahr und möchte alle ermuntern, in diesem Jahr die besondere innere Einstellung der Schlange zu beherzigen und mitunter auch nach außen zu tragen.
Euer Sifu Kai
Freitag, 1. Februar 2013
Die gute Idee für den Monat Februar
Liebe Mitlesenden,
"das mache ich doch mit links" - so besagt eine Redewendung.
Daran anknüpfend, möchte ich für diesen Monat den Vorschlag unterbreiten, mehr Tätigkeiten mit der "schwacheren" Hand auszuüben. Da der phänotypische Anteil der Linkshänder in der Bevölkerung mit 10 bis 15 Prozent angegeben wird, gehe ich in meinen Ausführungen jetzt von der rechten Hand als der stärkeren aus. Für alle Linkshänder gilt daher, dass sie einfach nur die Überlegungen für ihre Voraussetzungen umzustellen brauchen.
Speziell in der Kampfkunst ist es notwendig und von unschätzbarem Vorteil, wenn man in der Lage ist, mit beiden Händen weitestgehend gleichwertig zu agieren. Diese Fertigkeit wird ja bereits im Formenlauf von Beginn an geschult und entwickelt. Wer sich mit dem weiten Feld des Waffentrainings beschäftigt (ob nun im mittelalterlichen europäischen Waffenkampf, in den FMA oder in anderen Kampfkünsten wie etwa im Kobudo oder im Mu Ki Do, um nur einige davon zu nennen), wird anfänglich noch die Schwierigkeiten spüren, die sich auf dem Wege zu einem Generalisten der Beidhändigkeit vor einem auftürmen. Die weniger gut ausgeprägte Koordination und Griff- wie Schlaghärte der "schwächeren" Hand wird sich in der ersten Phase des Lernens nicht verbergen lassen. Doch mit der Zeit wird man auch mit der ansonsten eher vernachlässigten Hand geschickter und sicherer, bis endlich der Unterschied zwischen den beiden Händen auf ein Minimum reduziert sein wird. Natürlich bleibt das Idealziel einer völligen Gleichwertigkeit beider Extremitäten immer anzustreben.
Im Wing Chun entwickelt die Bart Cham Dao - Form, die den weit fortgeschrittenen Ausübenden, der zu diesem Zeitpunkt meist bereits selbst eine Lehrtätigkeit aufgenommen haben wird, an die Handhabung der Doppelmesser (auch manchmal als "Schmetterlingsmesser" bezeichnet, wobei man in diesem Falle keiner Verwechslung mit dem philippinischen Balisong, das in der Umgangssprache als "Butterflymesser" bekannt geworden und durch Jugendgruppengewalt leider in Verruf geraten ist, unterliegen darf) heranführt und quasi die "höchste Weihe" in diesem Kampfkunstsystem darstellt, bestens die Verwendung beider Hände für diverse Aktionen, die in Kombination mit Schrittmustern und Körperwendungen dem aktiven Wing Chunler noch einmal einen besonderen Feinschliff verpasst und zu völlig neuen Erkenntnissen in dieser Kampfkunst führen kann.
Ich möchte meine Leser nun heute dazu ermuntern, auch im Alltag und daher außerhalb ihres eigentlichen Kampfkunsttrainings die "schwächere" Hand zu schulen, indem ganz bewusst mehr Tätigkeiten mit eben dieser Hand ausgeführt werden sollen. Zu diesem Zwecke werden sich für jeden ganz individuelle und nahezu unbegrenzte Möglichkeiten finden lassen, die nicht nur zu einer veränderten Wahrnehmung und Weltsicht, sondern auch zu einer größeren Flexibilität und Vielseitigkeit führen können. Von einer besseren Verknüpfung der linken mit der rechten Gehirnhälfte und anderen neuro-wissenschaftlichen Erwägungen möchte ich an dieser Stelle schweigen.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern viel Spaß bei der Erprobung der Fähigkeiten der "schwächeren" Hand und verbleibe wieder bis zum nächsten Beitrag
Euer Sifu Kai
"das mache ich doch mit links" - so besagt eine Redewendung.
Daran anknüpfend, möchte ich für diesen Monat den Vorschlag unterbreiten, mehr Tätigkeiten mit der "schwacheren" Hand auszuüben. Da der phänotypische Anteil der Linkshänder in der Bevölkerung mit 10 bis 15 Prozent angegeben wird, gehe ich in meinen Ausführungen jetzt von der rechten Hand als der stärkeren aus. Für alle Linkshänder gilt daher, dass sie einfach nur die Überlegungen für ihre Voraussetzungen umzustellen brauchen.
Speziell in der Kampfkunst ist es notwendig und von unschätzbarem Vorteil, wenn man in der Lage ist, mit beiden Händen weitestgehend gleichwertig zu agieren. Diese Fertigkeit wird ja bereits im Formenlauf von Beginn an geschult und entwickelt. Wer sich mit dem weiten Feld des Waffentrainings beschäftigt (ob nun im mittelalterlichen europäischen Waffenkampf, in den FMA oder in anderen Kampfkünsten wie etwa im Kobudo oder im Mu Ki Do, um nur einige davon zu nennen), wird anfänglich noch die Schwierigkeiten spüren, die sich auf dem Wege zu einem Generalisten der Beidhändigkeit vor einem auftürmen. Die weniger gut ausgeprägte Koordination und Griff- wie Schlaghärte der "schwächeren" Hand wird sich in der ersten Phase des Lernens nicht verbergen lassen. Doch mit der Zeit wird man auch mit der ansonsten eher vernachlässigten Hand geschickter und sicherer, bis endlich der Unterschied zwischen den beiden Händen auf ein Minimum reduziert sein wird. Natürlich bleibt das Idealziel einer völligen Gleichwertigkeit beider Extremitäten immer anzustreben.
Im Wing Chun entwickelt die Bart Cham Dao - Form, die den weit fortgeschrittenen Ausübenden, der zu diesem Zeitpunkt meist bereits selbst eine Lehrtätigkeit aufgenommen haben wird, an die Handhabung der Doppelmesser (auch manchmal als "Schmetterlingsmesser" bezeichnet, wobei man in diesem Falle keiner Verwechslung mit dem philippinischen Balisong, das in der Umgangssprache als "Butterflymesser" bekannt geworden und durch Jugendgruppengewalt leider in Verruf geraten ist, unterliegen darf) heranführt und quasi die "höchste Weihe" in diesem Kampfkunstsystem darstellt, bestens die Verwendung beider Hände für diverse Aktionen, die in Kombination mit Schrittmustern und Körperwendungen dem aktiven Wing Chunler noch einmal einen besonderen Feinschliff verpasst und zu völlig neuen Erkenntnissen in dieser Kampfkunst führen kann.
Ich möchte meine Leser nun heute dazu ermuntern, auch im Alltag und daher außerhalb ihres eigentlichen Kampfkunsttrainings die "schwächere" Hand zu schulen, indem ganz bewusst mehr Tätigkeiten mit eben dieser Hand ausgeführt werden sollen. Zu diesem Zwecke werden sich für jeden ganz individuelle und nahezu unbegrenzte Möglichkeiten finden lassen, die nicht nur zu einer veränderten Wahrnehmung und Weltsicht, sondern auch zu einer größeren Flexibilität und Vielseitigkeit führen können. Von einer besseren Verknüpfung der linken mit der rechten Gehirnhälfte und anderen neuro-wissenschaftlichen Erwägungen möchte ich an dieser Stelle schweigen.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern viel Spaß bei der Erprobung der Fähigkeiten der "schwächeren" Hand und verbleibe wieder bis zum nächsten Beitrag
Euer Sifu Kai
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